Wanted - Kritik vom 17.10.2009
Die Bruderschaft ist eine seit eintausend Jahren bestehende Killer-Organisation, die das Gleichgewicht der Welt durch das gezielte Töten bestimmter Personen im Lot hält. Ihre Aufträge bekommt sie von einem magischen Webstuhl, der immer wenn nötig den Namen der zu eliminierenden Person codiert in verwebter Wolle ausspuckt. Wie viele Menschen die Bruderschaft wohl umbringen würde, wenn der olle Webstuhl mal einen Namen wie Thomas Schmidt ausspuckt?
In Timur Bekmambetovs (Regie u.a. bei Wächter der Nacht) „Wanted“ funktioniert das Prinzip auf jeden Fall irgendwie; genauso wie es irgendwie funktioniert, dass die Protagonisten die ballistische Bahn eines Geschosses beeinflussen können und somit um Ecken ballern…nur wie das denn funktioniert und warum, dass wird wohl auf immer ein Geheimnis der Bruderschaft bleiben…
Wes (sehr gut gespielt von James McAvoy) schleppt sich desinteressiert durch sein Leben als Versager. Sein bester Freund vögelt seine Freundin, während er sich auf der Arbeit von seiner übergewichtigen Chefin schikanieren lässt. Als er eines Tages auf Fox (Angelina Julie) trifft, ändert sich alles. Er soll Mitglied in der Bruderschaft und zum Killer ausgebildet werden.
„Wanted“ ist Actionkino in Reinkultur. Schießereien und Verfolgungsjagten geben sich die Klinke in die Hand, Slow Motion und nahezu perfekte Computereffekte zelebrieren gigantische Actionszenen auf dem Schirm. Was aus dem Computer kommt, sieht wirklich grandios und beeindruckend aus. Egal, ob da Autos durch die Gegend fliegen oder gleich ein ganzer Zug von der Brücke stürzt, die visuellen Sinneseindrücke, die „Wanted“ versprüht, sind schwer zu toppen. James McAvoy gibt den werdenden Actionhelden wirklich gut und darf sich als bester Darsteller des Films feiern lassen. Neben ihm dschungeln so illustre Gesichter wie Common, Morgan Freeman, Thomas Kretschmann und Terence Stamp durch das Geschehen. Angelina Julie spielt einmal mehr sich selbst und hebt den Charme der Bilder, was wahrscheinlich auch einziger Zweck ihrer Verwendung ist. Passt, Job erfüllt, Frau Julie! Common und Morgan Freeman verblassen in ihrer Leistung. Common, weil er nicht schauspielern kann und Freeman, weil er‘s kann. Der Großteil der Nebendarsteller spielt ebenfalls höchstens im Mittelfeld der Schauspielkunst, einzig Kristen Hager als Wes Freundin sticht neben McAvoy aus der grauen Masse gelangweilter Gesichter positiv hervor.
Als Dinosaurier auf einer Insel gezüchtet wurden und ausbrachen, habe ich das abgekauft. Als ein Hacker namens Neo plötzlich fliegen konnte, habe ich auch das geschluckt. Was ist beim Film das Zauberwort, wenn es um Glaubwürdigkeit geht? Richtig, Erklärungen! In Jurassic Park hatte der dumme Zuschauer erklärt bekommen, warum und wie Dinos gezüchtet werden. Matrix hat glaubhaft klar gemacht, warum Neo all das kann, was er eben kann. „Wanted“ hingegen ist sich entweder zu fein für Erklärungen oder die Macher wussten selbst nicht, wie sie die zweifelsfrei bombastischen Actionszenen verkaufen sollten. Jedenfalls reicht es nicht aus, den Klubnewsletter einer uralten Bruderschaft abonniert zu haben, um plötzlich um Ecken schießen zu können, mit Autos durch die Gegend springen zu können und so eine Scheiße auch noch zu überleben. Mangelnde Glaubhaftigkeit führte bei mir dazu, dass mir die Action negativ aufstieß. Und warum treffen die Typen im Training eigentlich IMMER ins Ziel und wenn es drauf ankommt nicht?
Ich muss zugeben, „Wanted“ ist sehenswert. Die Story ist an den Haaren herbeigezogen, aber eigentlich erwartet man von so einem Film auch nicht mehr. Die menschverachtende und gewaltverherrlichende Weltanschauung ist fast schon gefährlich, ballern und sprengen ist hier der einzige Sinn des Lebens. Die Ausbildung von Wes zum Killer (wieder eine Collage!) ist das schlechteste Training, welchem ich jemals beiwohnen dufte. Was bitteschön soll der Junge davon haben, ständig auf die Fresse zu bekommen und wieder zusammengeflickt zu werden?
Präzise eingestreuter Humor hauen tatsächlich den einen oder anderen Lacher raus. Und das an den Zuschauer gerichtete Plädoyer zum Schluss kommt nicht nur überraschend, sondern schafft es tatsächlich noch, die Kurve zu kriegen und dem Film einen Sinn, ja dem Zuschauer gar eine Moral mit auf den Weg zu geben. Allerdings scheitert „Wanted“ genau an dem, was es sein will: In Sachen Action haben die Macher den Bogen ganz eindeutig überspannt. Wer spektakuläre Szenen präsentieren möchte, der sollte diese auch erklären können.
Ich kann somit leider nur 3/5 heilige Webstühle vergeben. Schade, ich hatte mir mehr erhofft!
