Walk the Line – Kritik vom 17.11.2009

 

Version: Kinofassung (130 Min.)

 

 

“Walk the Line” ist der Versuch, Johnny Cashs Leben auf die große Leinwand zu bringen. Dabei präsentiert Regisseur James Mangold (Todeszug nach Yuma) Cashs Filmbiographie als detailverliebtes, perfekt inszeniertes Kunstwerk. Er verpflichtete die Darsteller Joaquin Phoenix (Helden der Nacht) und Reese Witherspoon (Machtlos) für die Hauptrollen, eben jenem Johnny Cash und dessen ewiger Kollegin und Freundin June Carter. Beide interpretieren dabei die Songs ihrer Alter Egos neu. Somit läuft der einzige Originalsong während des Abspanns, alle anderen Stücke von Johnny Cash und June Carter sind von den Darstellern neu eingesungen worden. Natürlich sind die Neuinterpretationen Geschmackssache, einem eingefleischten Cash-Fan könnte die neue Richtung, die Phoenix ohne Frage einschlägt, gar bitter aufstoßen. Ich bin jedenfalls hellauf begeistert. Sowohl Phoenix als auch Witherspoon liefern eine atemberaubende Performance ab. Wer unsicher ist, sollte einmal in den Soundtrack zum Film rein hören. Wem die Musik nicht zusagt, der wird auch mit dem Film Probleme haben.

 

Mangold erzählt mit „Walk the Line“ episodenhaft das Leben des Man in Black nach. Als Startpunkt dient Cashs Jugend und der tragische Tod seines älteren Bruders. Von dort aus hangelt sich der Regisseur an allen wichtigen Eckpunkten im Leben des großen Countrysängers entlang, etwa seiner Militärzeit in Deutschland, der Tablettensucht und der harten Entzugskur. Im Mittelpunkt steht neben der Musik die Beziehung zur Sängerkollegin June aus der legendären Carter-Family. Die Macher investierten wirklich eine Menge Herzblut und vergaßen kein Detail in Cashs Leben. So fand der Film „Inside the Walls of Folsom Prison“, der Cash zu seinem berühmten Folsom Prison Blues  animierte, ebenso seinen Weg in den Film wie Cashs späte Jugend, in der er als Vertreter jobbte. Bekannte Musiker, die seinen Lebensweg kreuzten, dürfen in „Walk the Line“ natürlich nicht fehlen. So macht der Zuschauer Bekanntschaft mit Jerry Lee Lewis (Waylon Malloy Payne), Waylon Jennings (Shooter Jennings) und dem King höchstpersönlich, Elvis Presley (Tyler Hilton).

 

Mangold engagierte durch die Bank weg gute Schauspieler. Egal ob Robert Patrick (Terminator 2: Tag der Abrechnung) als Cashs Vater Ray, Ginnifer Goodwin als Johnnys erste Ehefrau Vivian oder Dan Beene als Ezra Carter, die Darsteller schaffen es, den Zuschauer von der Echtheit der Handlung zu überzeugen. Vor allem aber zeigen Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon, was sie wirklich drauf haben. Phoenix stellt Cashs Höhe- und Tiefpunkte zu jeder Zeit glaubhaft dar; Gewaltausbrüche, Drogenexzesse und deren Folgen sowie Höhenflüge der Karriere, man hat zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, Joaquin Phoenix spielt nicht nur Johnny Cash, sondern er ist es. Witherspoon vermag June Carter ebenso glaubhaft zu präsentieren. Obwohl sie die stets fröhliche Alleinunterhalterin spielt, lässt sie die Traurigkeit ihres wahren Charakters, welchen sie unter der Maske gemimter Heiterkeit verbirgt, erkennen.

 

Zum Schluss darf nicht vergessen werden, dass „Walk the Line“ auch eine musikalische Zeitreise durch die 50er und 60er Jahre ist. Irgendwann Ende der 60er endet die Geschichte. Vor dem Abspann erzählen nüchterne Texttafeln vom weiteren Leben des Johnny Cash. Schade nur, dass dieser und June bereits 2003 verstorben sind. Ich hätte gerne gewusst, wie sie „Walk the Line“ bewertet hätten. Immerhin haben beide noch höchstpersönlich die Darsteller ihrer Rollen ausgesucht.

 

Abschließend kann ich nur die Höchstwertung vergeben.

5/5 Gitarren für “Walk the Line“!

 

 

 

 

 

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