True Lies: Wahre Lügen - Kritik vom 06.09.2009

 

Wenn sich Arnold Schwarzenegger und James Cameron zusammensetzen, um einen Film zu machen, dann kommt dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Action-Kracher der Superlative heraus. 1984 bewies das Duo Cameron/Schwarzenegger mit Terminator einen Riecher für eine Kombination aus durchdachter Handlung und perfektionierter Action. Sieben Jahre später erschufen sie mit der Fortsetzung einen der aufwendigsten und unumstritten besten Actionfilme seiner Zeit – bis heute in Inszenierung, der Action, dem Humor quasi unerreicht. Im Jahre 1994 sollten die beiden ein weiteres Mal aufeinander treffen, um ihr mit großer Wahrscheinlichkeit letztes Gemeinschaftsprojekt zu verwirklichen: „True Lies: Wahre Lügen“.

„True Lies“ ist das Remake des wenig bekannten französischen Films La Totale (dt. Titel: Der Joker und der Jackpot). Ich habe das Original nie gesehen; ich wusste bis vor kurzem nicht einmal, dass „True Lies“ ein Remake ist. Allerdings muss La Totale schon ein ziemlicher guter Film sein, wenn er mit seinem Remake mithalten möchte.

 

Harry Tasker (Arnold Schwarzenegger) ist ein langweiliger Vertreter einer Computerfirma, das glaubt zumindest seine Frau Helen (Jamie Lee Curtis). In Wahrheit verdient sich Harry seine Brötchen als Bundesagent auf Terroristenjagt. Zusammen mit seinem Kollegen Albert (Tom Arnold) beschattet er bald einen ganz besonderen Fall: Seine eigene Frau, von der er glaubt, dass sie eine Affäre hat. Ganz nebenbei gilt es, die Terrororganisation „Crimson Dschihad“ auszuschalten, die im Besitz von sowjetischen Atomsprengköpfen ist.

 

Der Film beginnt ganz Bond-typisch mit einer einleitenden Actioneinlage, in der „True Lies“ auch gleich seine beiden Stärken zeigt: Action und Humor.

Zur Action muss ich glaube ich nicht viel sagen. Mit James Cameron und Arnold Schwarzenegger dürfte sich jeder Filmfan eigentlich denken können, was in den 140 Minuten Laufzeit auf dem Bildschirm abgeht: Die Macher brennen in „True Lies“ ein unvergleichliches Effektfeuerwerk ab. Dabei entsprangen nur relativ wenige Einstellungen dem PC, die Schießereien und aberwitzigen Stunteinlagen wurden zu 90 Prozent handgemacht in alter Tradition vor der Kamera verwirklicht. Wenn mal etwas aus dem Computer kommt, dann sieht das trotzdem super aus. Man muss hier wirklich schon genau hinschauen, um die CGI-Effekte zu erkennen. Nochmal: Der Film ist von 1994!

 

Was Cameron auf dem Schirm abbrennen lässt, sucht bis heute seinesgleichen. Schwarzenegger nimmt die Filmkulissen förmlich auseinander, zerballert und zerschlägt alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Keine Gnade für seine Gegner! Die Action ist hart und gewalttätig; der rote Lebenssaft spritzt in Massen. Das kann man nun gut finden oder nicht. „True Lies“, von der Handlung her darauf ausgelegt, die Bond-Filme zu parodieren, hätte diesen Grad der Brutalität nicht gebraucht, aber es schadet auch nicht. Klar, die Terroristen verkommen zu Schießbudenfiguren und man könnte auf den Gedanken kommen, „True Lies“ sei gewaltverherrlichend. Ich denke jedoch, auch die ja schon übertriebene Gewaltdarstellung ist als Parodie auf die Actioner der 80er und 90er Jahre zu verstehen.

Auf der anderen Seite muss ich die Kreativität der Macher loben: Viele gute Einfälle bringen Schwung in die Actionszenen, sorgen für Lacher und machen „True Lies“ schließlich zu einem ganz besonderen Erlebnis.

 

Die zweite große Stärke des Films ist der Humor: Harrys Sprüche sind an Coolness kaum zu übertreffen. Ich habe selten einen Actionfilm gesehen, in dem so viele gute Sprüche vom Stapel gelassen werden. Schwarzenegger kommentiert fast jede seiner Aktionen – und jeder einzelne Kommentar sitzt! „Steigst du immer so ab?“, fragt er ganz unverblümt einen Polizisten, während er ihn mitten in einer Verfolgungsjagt rückwärts von seinem Pferd wirft, um selbiges zu beschlagnahmen.

 

Die Handlung, die wie schon gesagt James Bond auf intelligente Weise parodiert, wird im Laufe des Films immer verstrickter und entfaltet deutlich mehr Tiefe, als ich anfänglich erwartet hätte. Außerdem kann allein der Verlauf der Story einige Lacher verbuchen, immerhin führt sie die Charaktere ein ums andere Mal in aberwitzige Situationen.

 

Die Darsteller tun ihr übriges und machen „True Lies“ perfekt. Jamie Lee Curtis demonstriert, dass sie nicht nur schauspielern kann, sondern auch noch rattenscharf ist. Tom Arnold gibt überzeugend Harrys quasselnden Sidekick. Bill Paxton als armer Hund Simon spielt seine Rolle genial und hat wohl die meisten Lacher auf seiner Seite. Vor allem die Szene, in der er mit Harry im Sportwagen sitzt und von seiner Strategie in Bezug auf Frauen erzählt, ist urkomisch. Charlton Heston als Harrys und Alberts Boss sollte nicht unerwähnt bleiben und schließlich Arnold Schwarzenegger; der einmal mehr als Actionheld, aber auch als Schauspieler überzeugen kann.

 

Ganz ehrlich? 5/5 Pferde im Aufzug für True Lies!

 

 

 

 

 

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