Starship Troopers - Kritik vom 19.09.2008
Version: Unzensierte
Fassung (124 Min.), englische Tonspur (Originalton)
In ferner Zukunft herrscht endlich Frieden auf der Erde. Die Menschheit lebt in der sogenannten Föderation, die einen Unterschied zwischen Zivilisten und Bürgern macht. Nur wer Militärdienst geleistet hat, erhält die Privilegien eines Bürgers und darf beispielsweise wählen gehen oder Kinder bekommen. Eines Tages erklären fremde Killer-Insekten, die "Bugs", der Menschheit den Krieg.
Direkt in den ersten Sekunden entfaltet sich der satirisch bissige Unterton, der den Film über die gesamte Laufzeit begleitet, in vollen Zügen. Im Stil von immer wieder eingespielten Fernsehübertragungen bringt der Regisseur Paul Verhoeven dem Zuschauer die Welt von "Starship Troopers" näher, ähnlich wie auch schon bei Verhoevens "Robocop". Da wird in an die Wochenschau des dritten Reichs erinnernden Spots für den Beitritt zum Militär geworben, Todesstrafen werden live übertragen und lachende Soldaten lassen eine Schulklasse mit ihren Waffen spielen. Leicht durchschaubare Propaganda erinnert immer wieder ganz bewusst an die Propaganda-Methoden der Nazis.
Im Grunde genommen geht es um Johnny Rico (Casper Van Dien), seine Freundin Carmen (Denise Richards) und deren gemeinsamen Schulfreund Carl (Neil Patrick Harris). Johnny geht zur mobilen Infanterie, Carmen zur Weltraumflotte und Carl zum Geheimdienst. Allein die Idee, die Hauptcharaktere den unterschiedlichen Sparten des Militärs beitreten zu lassen, ist genial. Somit werden dem Zuschauer alle Bereiche des vermeintlich so tollen Militärs präsentiert. Während Johnny eine Ausbildung ganz im Stil von "Full Metal Jacket" durchläuft, mit schreiendem Drill-Seargent, bösen Gags und einer Menge militärischer Übungen, absolviert Carmen die Ausbildung zur Flottenkommandantin. Der Zuschauer darf ihr dabei zuschauen, wie sie in technisch meisterhaft umgesetzten Flugszenen Asteroiden und später im Krieg Bug-Plasma ausweichen muss.Carl hingegen schenkt der Film am wenigsten Beachtung, Johnny und die mobile Infanterie stehen ganz klar im Vordergrund. Trotzdem, seine kurzen Parts gewähren uns Einblicke in den Geheimdienst, der von seinen Uniformen her einmal mehr an das dritte Reich erinnert. Auch hier gibt es immer wieder sarkastische Seitenhiebe, beispielsweise wenn Carl wie selbstverständlich erklärt, dass er hunderte Soldaten in Missionen ohne Überlebenschance schickt. Der gesamte Aufbau der Story ist clever gemacht und die Handlung an sich überzeugt. Es wird in den 124 Minuten Laufzeit so unglaublich viel untergebracht; und trotzdem wirkt der Film nicht überladen, sondern gut durchdacht und strukturiert.
Das erste Drittel des Films behandelt hauptsächlich die Ausbildung der Protagonisten, ein plötzliches Ereignis zwingt die Menschheit dann jedoch in den Krieg gegen die Bugs, die gerne mal Asteroiden in Richtung Erde schleudern. Die folgenden Massenschlachten sind blutrünstig, grausam und technisch auch noch für heutige Verhältnisse ziemlich gut gemacht. Da werden Bug-Löcher mit Atomgranaten in die Luft gejagt, Soldaten in Stücke gerissen und Bugs im Dauerfeuer zerstückelt. Die Kämpfe sind barbarisch und zeigen die ganze Grausamkeit, zu der die Bugs - und die Menschen - fähig sind. Auch der Glaube des Menschen, er sei allen anderen Lebensformen überlegen, wird hier gnadenlos durch den Kakao gezogen. Die Bugs stellen der Infanterie bewusst Fallen und reiben ganze Kompanien auf, die Verluste steigen innerhalb einer Stunde auf 300.000, und in den anschließenden Talkshows finden immer noch manche nur den Gedanken an einen denkenden Bug obszön. Immer wieder bringt der gut gesetzte Humor den Zuschauer zum Lachen, der Sarkasmus hingegen ist so treffend, dass man manchmal nicht weiß, ob man lachen darf oder nicht.
Neben einer coolen Ausbildung und eine Menge krasser Action bietet "Starship Troopers" aber noch mehr. Besonders die erste Hälfte weist typische Soap-Elemente auf. So steht oft die Liebe zwischen Carmen und Johnny im Vordergrund, während eine Klassenkameradin (Dina Meyer) versucht, selbst an Johnny heranzukommen. Carl hingegen würde gerne mit ihr anbandeln. Durch solche Nebenhandlungen erhält der Film gerade am Anfang eine gewisse Gemütlichkeit und irgendwie passt es perfekt in das Gesamtkonzept.
Die Schauspieler machen allesamt einen guten Job, auch wenn die meisten eher an Top-Models als an normale Menschen erinnern (ebenfalls eine Parallele zu den klassischen Soaps). Besonders gefallen haben mir Jake Busey als angeberischer Tollpatsch und Michael Ironside als Lieutenant Jean Rasczak. Der Cast ist insgesamt gut gewählt, jeder passt ausgezeichnet ins Gesamtbild.
Technisch ist der Film, wie schon gesagt, eine reine Augenweide. Auch wenn er nun schon mehr als zehn Jahre auf dem Buckel hat, können sich die Effekte immer noch sehen lassen. Die Sets und Kulissen sind hübsch anzusehen und erschaffen eine glaubhafte Zukunftsvision. Viele gute Einfälle am Rande tragen ebenfalls dazu bei.
Eine Notiz am Rande: Bei diesem Film ist der
Originalton (also die englische Sprache) ganz besonders zu empfehlen: In der deutschen Synchronisation wurde einiges geändert und die satirischen Züge des Films unverständlicherweise
abgeschwächt/teilweise sogar gänzlich entfernt. Machen Sie bitte auch einen weiten Bogen um das verstümmelte Etwas, dass alle Jahre wieder unter dem Namen "Starship Troopers" im Fernsehen läuft. Die
sind um teilweise über 4 Minuten und mehr geschnitten!
Letzendlich bleibt mir nichts anderes als dem Film die volle Punktzahl zu geben: 5/5 explodierende Riesenkäfer für Starship Troopers!
