Scarface (1983) - Kritik vom 16.07.2008
Version: Ungeschnittene Fassung (163 Min.)
"Scarface" gehört zu jenen Klassikern, die ich schon seit Jahren vorhatte zu schauen. Ich mag diese Gangsterfilme und habe demnach einen Film à la "Der Pate" oder "Goodfellas" erwartet. Eins vorweg: "Scarface" kann diesen Genregiganten nicht das Wasser reichen.
Es geht um Tony Montana (Al Pacino), einen kubanischen Flüchtling, der in den USA den amerikanischen Traum lebt - vom Tellerwäscher zum Millionär. Allerdings verdient er sein Geld nicht durch Fleiß und harte Arbeit, sondern durch das Kokaingeschäft. Schnell steigt er dabei vom kleinen Drogendealer zum ganz großen Gangsterboss auf. Doch wer hoch hinaus will, der kann auch tief fallen…
"Scarface" lebt von Al Pacino, der hier einmal mehr sein grandioses schauspielerisches Talent unter Beweis stellt. Man kauft ihm den eiskalten, kaputten Gangster jede Sekunde des Films ab. Leider konzentriert sich die Story ausschließlich auf das Portrait des Tony Montana, was genau die große Schwäche der Handlung ist und zu einigen Längen und zähen Momenten führt. Man hätte die ganze Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählen sollen, um die Spannung zu steigern. Spannung kam so während des gesamten Films kaum auf.
Dafür gibt es tolle Dialoge, sowie eine durch die Bank weg gut spielende Schauspielriege, die von Michelle Pfeiffer über F. Murray Abraham bis hin zu Harris Yulin reicht. Nett finde ich auch die Idee, wie hier das Idealbild des amerikanischen Traums auf so sarkastische Weise parodiert wird.
Während die Handlung vor sich hin dümpelt, wird das Ganze immer wieder durch wirklich gelungene Actionszenen aufgelockert, die den Film dann doch vor dem Mittelmaß retten, allerdings auch jeglichem Realismus strotzen. Schade, denn Gangsterfilme dieser Art, und so auch „Scarface“, haben im Grunde den Anspruch, ein realistisches Bild des portraitierten Milieus darzustellen, was in diesem Film spätestens mit der völlig übertriebenen Actionsequenz am Ende misslingt. Ansonsten bleibt zu sagen, dass "Scarface" ohne Al Pacino nicht der Rede wert wäre, er ist es, der den Film trägt und am Leben hält, und wegen ihm lohnt es sich auch, "Scarface" zu schauen.
Abschließend gebe ich 3/5 Kettensägen für "Scarface".
