Rush Hour -
Kritik vom 06.07.2009
"Rush Hour" ist der bisher erfolgreichste Streifen des asiatischen Akrobatik-Wunders Jackie Chan und versiegelte zugleich dessen lang ersehnten Durchbruch in Hollywood.
Die Story ist schnell erzählt und sprüht nicht gerade vor Überraschungen oder gar Tiefe. Sie dient lediglich dazu, den beiden Hauptakteuren Chan und Tucker einen Rahmen für deren Auftritte zu liefern:
Die Tochter des chinesischen Konsuls Han (Tzi Ma) ist in den USA entführt worden. Inspektor Lee (Jackie Chan, wer sonst?) aus Hongkong soll helfen, den Fall zu lösen, so möchte es
zumindest der Konsul. Das FBI ist weniger erfreut über die unvermittelte Hilfe und setzt ihrerseits Detective Carter (Chris Tucker) auf Lee an, um dafür Sorge zu tragen, dass der chinesische
Cop das FBI nicht bei seiner Arbeit stört. Carter verfolgt jedoch ganz eigene Pläne und möchte den Fall selber lösen, um zu beweisen, dass er ein guter Polizist ist.
Die Story ist, wie gesagt, eher Mittel zum Zweck und das Drehbuch hat freilich die ein oder andere Schwäche. Aber nichts, was man dem Film nicht verzeihen könnte.
"Rush Hour" ist in erster Linie ein Buddy-Movie, das von den Dialogen und Spitzfindigkeiten zwischen den beiden Hauptakteuren lebt. Carter und Lee kriegen sich während ihrer Suche nach der Tochter des Konsuls vor allem wegen kultureller Differenzen in die Haare. Carter verkörpert den klischeehaften schwarzen Schwätzer, die Rolle hätte ebenso gut von Eddy Murphy gespielt werden können. Vielleicht ist auch das der Grund, warum Chris Tucker außer der Rush Hour-Reihe kaum einen Film in seiner Filmografie zu verzeichnen hat: Er hat nichts Eigenes an sich, wirkt wie eine Kopie Eddy Murphys. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb passt er wunderbar in diesen Film und verbucht den Großteil der Lacher.
Jackie Chan gibt den besonnenen Inspektor Lee, der weiß, dass Schweigen Gold ist und Reden bloß Silber. Chan ist hier eindeutig der Mann für die Action und er beweist einmal mehr, dass er es drauf hat. Die Actionszenen sind allesamt schön anzusehen und perfekt inszeniert. Chan setzt verschiedene Gegenstände ein, um sich seiner Gegner zu entledigen, erklimmt hohe Mauern und kämpft auch mal angekettet an ein Lenkrad. Die Stunts, die er einmal mehr alle selbst vollführt hat, sind sehenswert und zum Wohle des westlichen Publikums nicht so übertrieben wie in seinen älteren Filmen. Zum Glück wurde komplett auf Computereffekte verzichtet. Der Gewaltgrad ist niedrig, aber warum auch nicht? Es muss nicht immer literweise Blut spritzen. Alle Actionszenen sind handgemacht und machen den Film zu einem vorzeigbaren Vertreter dieser leider untergehenden Machart.
Auf der atmosphärischen Ebene sorgt "Rush Hour" durchweg für die passende Stimmung. In den richtigen Momenten düster und bedrohlich, ansonsten luftig locker, passend zu dem Gezeigten. "Rush Hour" schafft es dabei, nie ins Lächerliche abzurutschen, auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, dass der Ernst der Geschehnisse nicht ganz zum Humor des Films passen mag.
Tucker glänzt nicht mit Schauspieltalent, gibt den Schwätzer aber solide und kann überzeugen. Chan war nie der große Schauspieler und ist es auch hier nicht. Zu übertrieben und gestenreich ist sein Spiel, für eine Actionkomödie reicht das aber völlig aus.
Auch neben den Hauptdarstellern ist der Film durch die Bank weg gut besetzt. Tom Wilkinson, Chris Penn und Elizabeth Pena, um nur einige Namen zu nennen. Alle fügen sich
gut ins Gesamtbild ein und machen aus "Rush Hour" kurzweilige Unterhaltung, die von der ersten Minute bis zum Abspann überzeugt. 4/5 Kunstschätze. Anschauen!
