Der letzte Mohikaner - Kritik vom 03.08.2009

 

Version: Kinofassung (107 Min.)

 

"Der letzte Mohikaner" ist ein Abenteuerepos der Regielegende Michael Mann. 1757: Der Mohikaner Nathaniel verliebt sich in die Tochter eines britischen Offiziers, die er vor einem Überfall der blutrünstigen Huronen rettet. Sie begeben sich auf eine gefährliche Flucht, den der Häuptling der Huronen nimmt gnadenlos die Verfolgung auf.

Egal ob Daniel Day-Lewis, Wes Studi als Huronen-Oberhaupt Magua, Russell Means oder Madeleine Stowe, Regisseur Michael Mann hat großartige Charakterdarsteller verpflichtet, ohne die der Film im Nichts verpuffen würde. Gerade die starke Leistung des Daniel Day-Lewis trägt den Film über die gesamte Laufzeit und vor allem auch über die etwas uninteressanteren Stellen hinweg. Mir gefällt vor allem, dass es in der Welt vom letzten Mohikaner keine Schönlinge und Playboy-Bunnies gibt. Die Charaktere sind vernarbt und gezeichnet von der harten Zeit, in der sie leben.


Die Story schafft es, den Spannungsbogen dauerhaft aufrecht zu erhalten. "Der letzte Mohikaner" fesselt, die Story jagt gekonnt vom Anfang bis zum Ende, so banal sie auch sein mag: Warum und wann sich Nathaniel in die britische Offizierstochter verliebt, wird nie deutlich. Vor allem aber haben mich die Logiklöcher und Ungereimtheiten gestört. Ich hatte ein aufs andere Mal das Gefühl, die Drehbuchautoren haben sich nicht allzu viele Gedanken über diese Welt, über die sie da schreiben, gemacht. Wie Nathaniel wie ein Scharfschütze teilweise auf mehrere hundert Meter Distanz mit seiner Muskete mit jedem Schuss trifft, ist absolut unmöglich. Man konnte mit diesen Waffen nicht so genau zielen; aber der Mohikaner knallt locker mehrere, sich bewegende Feinde aus 300 Metern Distanz ab, als er beispielsweise den englischen Boten schützt. Das ist übrigens auch wieder so ein Punkt: Warum müssen Nathaniel und seine Kumpels für Feuerschutz für einen britischen Boten sorgen? Warum machen das nicht die englischen Soldaten, wo die Briten doch sowieso kein Vertrauen in Nathaniel haben? Woher kommen plötzlich die Boote, mit denen die Helden den Fluss überqueren? Warum ist das eigentlich so? Diese Frage stellt man sich im Film öfters.

 

Schön aber, dass "Der letzte Mohikaner" es schafft, auf den üblichen Kitsch zu verzichten. Keine peinlichen Dialoge, keine unpassenden Liebesszenen, kein erzwungenes Ende. Michael Mann versteht es sehr gut, eine gute Geschichte zu erzählen. Er hat auch kein Problem damit, mal einen Sympathiecharakter sterben zu lassen.

Der Soundtrack zieht den Zuschauer vom ersten Moment an in seinen Bann und gehört unweigerlich mit zum Besten, was je in Hollywood geschaffen worden ist. Wenn man zum ersten Mal den unverwechselbaren Theme hört, kommt Gänsehautfeeling auf.


Die Landschaften sind schön in Szene gesetzt: Majestätische Wasserfälle, gigantische Gebirge,, die Kamera fängt ein paar gewaltige Bilder ein. Leider stehen dem teilweise langweilige und uninspirierte Kulissen gegenüber. Oftmals stapfen die Helden durch ausdruckslose Wälder, die ein ums andere Mal gleich aussehen. Dieser Umstand nimmt dem Film im Gesamten betrachtet einiges von seiner Größe. Schade!

Die Kämpfe wirken adynamisch und können den Zuschauer nicht mitreißen, gute Stunts oder gut eingefangene Actionsequenzen bilden leider die Ausnahme.


Mit "Der letzte Mohikaner" hat Michael Mann leider keinen allzu großen Wurf gemacht. Einzig die Story, die Darsteller und die wirklich gelungene Schlacht im Mittelteil des Films sorgen dafür, dass der Zuschauer trotz einiger Mängel bis zum Ende durchhalten wird. "Der letzte Mohikaner" ist nicht schlecht, hätte aber besser sein können.

 

Ich vergebe 3/5 Musketen

 

 

 

 

 

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