Moby Dick (1956) - Kritik vom 16.08.2009
Version: Originalton
(Englisch)
Wer kennt ihn nicht, den weißen Riesenwal Moby Dick? Wer kennt nicht Kapitän Ahab, der besessen ist von Rache an diesem Ungeheuer der Meere, das ihn einst zum Krüppel machte? Ahab riskiert alles, um seine Rachegelüste zu befriedigen und am Ende kommt es zum unausweichlichen Kampf. Die Geschichte ist auf jeden Fall eine packende Grundlage für einen spannenden Film.
"Moby Dick" galt lange als unverfilmbar und so brauchte Regisseur John Huston fast zehn Jahre, um ein Studio von dem Projekt zu überzeugen. Mit einem Budget von 5 Millionen US-Dollar entstand ein technisch atemberaubender Film, der heute natürlich etwas angestaubt wirkt.
Kameramann Oswald Morris entwickelte eigens für Moby Dick ein spezielles Verfahren, um Kamerabilder liefern zu können, die an die Walfangstiche des 19. Jahrhunderts erinnern. Für Moby Dick
wurden eigens drei riesige Attrappen gebaut, die Szenen mit anderen Walen sind mit echten Vertretern der Dickhäuter verwirklicht worden. Entweder wurden die Tiere auch wirklich vor der Kamera
getötet, oder aber man hat die Walfangszenen verdammt gut inszeniert. Ersteres ist natürlich nicht vertretbar.
Gregory Peck als besessener Kapitän Ahab wurde damals nicht als Idealbesetzung verstanden. Ich für meinen Teil finde allerdings, dass er seiner Figur die nötige Tiefe verleiht und den ganzen Wahnsinn eindringlich rüberbringt. Allein sein Blick spricht Bände und bändigt ein ums andere Mal die von ihrem Kapitän nicht begeisterte Mannschaft. Neben Peck überzeugen auch die anderen Darsteller, unter anderem Orson Welles und Friedrich von Ledebur.
Der Film dümpelt eine ganze Zeit lang gemächlich vor sich hin. Die Protagonisten werden eingeführt, es werden viele lange Reden geschwungen und geschwollene Dialoge geführt. Überhaupt sind die Dialoge alles andere als realistisch, kein Mensch würde so reden, auch nicht im 19. Jahrhundert. Jeder einzelne Satz wirkt wie eine jahrelang ausgefeilte Rede, mit sämtlichen Stilmitteln der Rhetorik durchsetzt. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass mich die Dialoge zeitweise langweilten. Leider dauert es auch ziemlich lange, bis Moby Dick seinen ersten Auftritt hat. Bis dahin geht die Mannschaft auf "normalen" Walfang, was auf eindringliche und grausame Art inszeniert wurde, die einen so schnell nicht mehr loslässt. Die Action, besonders der Showdown mit Moby Dick, ist für damalige Verhältnisse auf hohem Niveau, heute wirkt es teilweise unfreiwillig komisch, wenn man nichts mit Klassikern am Hut hat. Einige wirklich harte Szenen ließen jedoch auch mich, der einiges gewohnt ist, zusammenzucken, etwa wenn ein kleiner Junge vom Schiffsmast erschlagen wird. Es geht teilweise überraschend blutig zu.
Ich bin kein Feind von Klassikern. Es muss nicht immer Popcornkino mit Bombasteffekten sein. Es gibt einige Klassiker, die ich gerne schaue. Allerdings verschließt sich mir "Moby Dick" auf Grund der geschwollenen Dialoge Größenteils. "Moby Dick" ist ein eindringliches Filmerlebnis, ganz klar, aber ich werde ihn wahrscheinlich kein zweites Mal schauen.
Ich vergebe 3/5 obskure Indianer.
