Der Krieg in Farbe - Kritik vom 14.09.2009
Ich habe bereits viele Dokumentationen über
den zweiten Weltkrieg gesehen, doch die meist verzerrten schwarz/weiß-Aufnahmen lassen das Gezeigte doch immer irgendwo surreal und unglaublich erscheinen. Ich hatte es jedenfalls immer wieder
schwer, mir vor Augen zu führen, dass das alles wirklich so stattgefunden hatte, dass die Filmaufnahmen von damals wirklich echte Aufnahmen von echten Kämpfen sind. Darum habe ich mich bemüht, eine
Dokumentation zu finden, die hauptsächlich mit Farbaufnahmen (originale Farbaufnahmen wohlgemerkt!) arbeitet.
Und tatsächlich, was ich heute Nachmittag mit "Der Krieg in Farbe" gesehen habe, ist nicht nur sehenswert, sondern auch erschütternd. Tatsächlich erzeugen die Farbaufnahmen eine viel intensivere
Wirkung als die gewohnten schwarz/weiß-Bilder. Plötzlich kommt mir das Gezeigte real und zugleich viel beklemmender vor. Immerhin sind das keine gestellten Aufnahmen. Was ich heute gesehen habe,
waren echte Aufnahmen von echten Gefechten...von echten Toten.
Die Spiegel-Dokumentation "Der Krieg in Farbe" liefert eigentlich nur einen chronologischen Abriss des Krieges, angefangen kurz vor Kriegsbeginn bis zum endgültigen Ende durch die Kapitulation
Japans. Auf Interviews mit Zeitzeugen wird komplett verzichtet, der Film bietet dafür über die gesamte Laufzeit von 107 Minuten echtes Farbmaterial aus den Jahren 1933-1945. Die beiden Sprecher
erläutern das Gezeigte und geben nützliche Hintergrundinformationen, dabei bleibt alles stets auf der sachlichen Ebene, der moralische Zeigefinger wird glücklicherweise nie erhoben. Somit wird der
Zuschauer nicht an der Leine geführt, was zur Abwechslung einmal sehr angenehm ist.
Insgesamt kann ich diese eindringliche Dokumentation nur empfehlen; mir jedenfalls hat sie den Krieg sehr viel näher gebracht. Besonders die Bilder der blutüberströmten Leichen und der Fliegerangriffe gegen Bodenziele lassen mich so schnell nicht wieder los. Beklemmende Aufnahmen aus dem unumstritten düstersten Kapitel unserer Geschichte...
5/5 Punkte für ein erschütterndes Erlebnis.
