Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung – Kritik vom 16.11.2009
Version: Original Kinofassung von 1977
Es war einmal…
…vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis. Mit diesen Worten begann Regisseur George Lucas den Auftakt zu seiner Star Wars-Saga, die in den nachfolgenden Jahrzehnten Millionen Fans rund um den Erdball unterhalten sollte. Die Geschichte um Luke Skywalker, Prinzessin Lea, Han Solo und die kultigen Droiden R2D2 (R-Zwo-D-Zwo) und C3PO verzauberte bereits 1977 unzählige Kinogänger und bescherte George Lucas ungeahnten Erfolg. Der Weg für zwei Fortsetzungen, mehrere Spin Offs sowie eine weitere Trilogie wurde frei – nicht zuletzt, weil Lucas sich damals schon die Rechte an den sogenannten Merchandising-Artikeln zu Star Wars sicherte und somit durch den Verkauf von Darth Vader-Actionfiguren, Luke Skywalker-Trinkbecher und vielem mehr nicht nur sein eigenes Konto füllte, sondern auch alle weiteren Filme Größenteils selbst tragen konnte. War „Episode IV“ noch mehr oder weniger ein Budgetfilm, fehlte es Lucas bei den Sequels eigentlich an nichts mehr.
Dabei stand Star Wars erst unter keinem guten Stern. Fehler und Ungereimtheiten bei der Produktion, ein Sandsturm, der das Set verwüstete sowie ständige Geldprobleme brachten Lucas an den Rand der Verzweiflung und ließen ihn zwischenzeitlich aussagen, er würde nie wieder einen Film drehen.
Krieg der Filme
„Krieg der Sterne“, der später konsequenter Weise in „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“ umbenannt worden ist, hat als ehemals erster und nun plötzlich vierter Teil der Saga natürlich eine ganz besonders schwierige Last zu tragen, vor allem für die jüngere Generation, die mit der neuen Trilogie um Anakin Skywalker aufgewachsen ist. So soll „Episode IV“ plötzlich eine glaubhafte Fortführung der Ereignisse aus den ersten drei Teilen darstellen, die dank modernster CGI-Effekte deutlich moderner wirken. Natürlich kann der Film diesem Anspruch nicht gerecht werden, was man ihm aber nicht ankreiden darf. Lucas Versuche, am Ende von Episode III das Design der Welt von Star Wars an die alten Filme anzugleichen, scheitern nicht zuletzt aufgrund der Glaubwürdigkeit.
Die Aufwertung der alten Trilogie durch neue Computereffekte schafft es währenddessen nicht, die alten Filme wie „neue“ erscheinen zu lassen. Vielmehr wirken einige Dinge aufgesetzt und stellenweise einfach nur schlecht. Aber diese neuen Versionen, von denen es auch eine zu „Episode IV“ gibt, sollen nicht Inhalt meiner Rezension werden. Vielmehr widme ich mich wie oben bereits erwähnt der Urversion des Films.
Wie gesagt darf man dem Film nicht vorwerfen, dass er es nicht schafft, als Schnittstelle zwischen neuen und alten Filmen zu fungieren. Meiner Meinung nach war es nicht sonderlich klug, Prequels (also Vorgeschichten) zu den alten Filmen zu produzieren. Sequels hätten deutlich besser in die Reihe integriert werden können. Lucas behauptet zwar gerne, dass die komplette Star Wars-Geschichte (also beide Trilogien) bereits vor Drehbeginn von Episode IV standen; naja, wer’s glaubt. Wer „Episode IV“ schaut, dem wird klar, dass zu dessen Produktionszeiten nicht mal die Skripte der beiden direkten Fortsetzungen vollendet sein konnten.
Natürlich produziert „Episode IV“ einige Anschlussfehler, betrachtet man die beiden Trilogien als gesamte Reihe. So verwundert es, dass sich Obi Wan nicht an R2D2 erinnern kann oder sich die Technik deutlich zurückentwickelt hat.
Die Kunst des Einfachen
Mit „Star Wars: Episode IV“ schuf George Lucas mehr als nur einen Film. Er schuf eine Welt, ein eigenes Universum. Er sammelte wie kaum ein anderer Filmemacher Fans in Scharen um sich. Er zeigte Hollywood, wie man abseits des Films mit dem Franchise Millionen verdienen kann. Nur wenige Filme, wie etwa Spielbergs „Jurassic Park“ konnten solche Erfolge wiederholen. Die Marke Star Wars ist seit über dreißig Jahren ein unkaputtbarer Goldesel, der bis heute jährlich Millionen in Lucas‘ Kassen spült. Es gibt Videospiele, Actionfiguren, Bettwäsche und LEGO zum Franchise. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe Spin Offs wie Clone Wars oder die lustigen Ewok-Filme aus den Achtzigern. Es gibt massenweise Bücher und Comics, die vom Star Wars-Universum handeln und selbiges um unzählbare Charaktere und Zeitalter erweitern. Star Wars hat eine Größe wie kaum ein anderes, fiktive Universum erreicht… und es wächst jährlich weiter. Doch woher kommt der gigantische Erfolg? Was ist es, das die Menschen an Star Wars so verzaubert? Ich denke, die Antworten auf diese Fragen finden wir bereits im aller ersten Film aus dem Jahre 1977: „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“.
Der Film beginnt mit dem Duell zweier gigantischer Raumschiffe vor epischer Kulisse: Vor dem Hintergrund eines riesigen Wüstenplaneten und dem unendlichen Weltall bezwingt ein bedrohlicher, imperialer Sternenzerstörer in der Größe einer Kleinstadt ein deutlich kleineres Schiff der Rebellion. Bevor der Rebellenkreuzer geentert wird, schafft es Prinzessin Leia (Carrie Fisher) wichtige Daten auf die beiden Droiden R2D2 und C3PO zu überspielen und diese von Bord zu schmuggeln. Der Lord des Bösen, Darth Vader (David Prowse), bringt das Schiff gemeinsam mit seinen gesichtslosen Sturmtruppen in die Gewalt des Imperiums. Währenddessen landen die Droiden auf dem Wüstenplaneten Tatooine und begeben sich auf die Suche nach Obi Wan Kenobi (Alec Guinness), der als einziger Überlebender einer alten, mächtigen Religion die letzte Hoffnung der Rebellion gegen das Imperium ist. Gemeinsam mit dem Farmersjungen Luke Skywalker (Mark Hamill), dessen Familie von den imperialen Sturmtruppen ermordet worden ist, und dem Schmuggler Han Solo (Harrison Ford) machen sie sich auf den Weg, um die Rebellion zu unterstützen.
Allein die Worte „Es war einmal vor langer Zeit“ zu Beginn des Films verdeutlichen, was Lucas mit diesem Film wirklich schuf: „Krieg der Sterne“ ist ein modernes Märchen, eine Sience-Fiction-Oper, die zum Träumen und Schwärmen einlädt. Die Geschichte ist so simpel wie gut. Eine klar definierte Schwarz-Weiß-Zeichnung der einzelnen Charaktere sowie das Einstehen der Helden für so tugendhafte Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung verleiten zum Träumen. Es ist klar abgesteckt, wer gut und wer böse ist. Es gibt keine Täuschung, keine tiefergehenden Wendungen, keine Komplikationen. Wer Star Wars schaut, muss keinen Gehirnschmalz benutzen. Der Zuschauer darf sich fallen lassen und von Star Wars verzaubern lassen. Dabei arbeitet Lucas mit unterschiedlichen Mitteln: Zum einen sorgten die für damalige Verhältnisse beeindruckenden Effekte in den Kinosälen für offene Münder. Lucas brennt eine wahnsinnige Lichtershow ab, die lange seinesgleichen suchte. Gigantische Raumschlachten, exotische Schwertduelle und riesige Raumkreuzer in bis dahin unbekannten Ausmaßen begeisterten die Kinogänger. Auf der anderen Seite schafft Star Wars aber auch, auf der Gefühlseben zu punkten. Es gibt traurige, epische, dramatische und witzige Momente, ohne dass sich die Handlung zu sehr verstrickt. Am Ende ist es die Einfachheit des Gezeigten, was es schafft, die Massen derartig zu bewegen – bis heute. Wer Star Wars schaut, kann abschalten und genießen; kann in eine Welt voller böser und guter Charaktere abtauchen und ruhigen Gewissens das Geschehen verfolgen, denn am Ende siegt immer das Gute. Star Wars ist ein Märchen, und nicht anders als andere Märchen will es unterhalten und den grauen Alltag auf ganz simple Weise etwas bunter machen.
Krieg der Sterne
„Krieg der Sterne“ oder „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“ überzeugt am Ende durch die im letzten Abschnitt beschriebenen Punkte. Die Welt, in die Lucas den Zuschauer befördert, ist eine quietschbunte Welt exotischer Aliens und technischer Raffinessen. Lucas präsentiert ein facettenreiches, wenn auch nicht immer konsequent zu Ende gedachtes Universum in detailreichen und schönen Kulissen. Die Ausstattung der Darsteller und Statisten strotzt vor der sprichwörtlichen Liebe im Detail. Auch ohne nachträglich rein geklebte Computerviecher kann der Weltraumhafen auf Tatooine überzeugen. Effekte und Machart sind für heutige Verhältnisse zwar sehr altbacken, trotzdem fesselt Star Wars. Der Wunsch zu Träumen und in eine Welt wie Star Wars abzutauchen, ist nach wie vor hochaktuell und kann von kaum einem anderen Film befriedigt werden. Wer übrigens genau hinschaut, entdeckt in den Händen einiger Sturmtruppen das deutsche MG 42 der Wehrmacht.
Lucas tat gut daran, sympathische Darsteller wie Mark Hamill, Harrison Ford und Carrie Fisher auszuwählen, die ihre Sache allesamt sehr gut machen. Auch Darth Vader, der in diesem ersten Film noch den Eindruck erweckt, als wäre er der alleinige Herrscher des Imperiums, kämpft sich vom ersten Moment an in die Herzen der Zuschauer und gilt wohl als einer der besten Bösewichte aller Zeiten. Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass Lucas zum Zeitpunkt des ersten Films wirklich schon die komplette Saga geplant hatte, den gerader der Charakter des Vader musste im Laufe der anderen beiden Filme noch einige Korrekturen über sich ergehen lassen. So ist er in „Episode IV“ noch deutlich aufbrausender als in späteren Filmen.
Wirklich negativ fallen eigentlich nur die leider nicht wenigen technischen Fehler im Film auf. So ist hie und da vergessen worden, dass Lichtschwert zu animieren und Darth Vader läuft stattdessen mit einer Metallstange umher. Einige Bild- und Farbfehler muss der Zuschauer leider auch verkraften, allerdings erreichen solche Fehler niemals das Ausmaß, das dem Unterhaltungswert ernsthaft schaden würde.
Soundtechnisch war Star Wars schon damals einzigartig. Die Geräuschkulisse wirkt nicht nur „real“ und glaubhaft, sondern verschaffte Star Wars von Anfang an ein einmaliges Markenzeichen. Das bedrohliche Surren der T-Fighter oder der unvergleichliche Sound eines Laserschwertes kennt heutzutage jeder.
Die Versionen
Es gibt von diesem Film zwei ausschlaggebende Versionen; zum einen die Kinofassung von 1977, zum anderen die überarbeitete und mit CGI-Effekten gespickte Fassung. Ich liebe diesen Film, aber leider kann ich weder eine klare Empfehlung für oder gegen die Kinoversion aussprechen, da sie vieles besser, aber auch vieles schlechter macht als die überarbeitete Fassung. Auf der einen Seite wirkt gerade die Raumschlacht gegen Ende des Streifens in seiner Urfassung unspektakulär und eintönig, da die Macher hier ganz klar an ihre Grenzen stießen.
Da macht die überarbeitete Fassung einiges besser, da hier viele Einstellungen durch dynamischere Szenen und computeranimierte Raumjäger ersetzt worden sind. Auch funktioniert der ein oder andere Gag in der neuen Fassung besser, da man durch den Computer endlich die Möglichkeit hatte, beispielsweise größere Sturmtruppenaufkommen darzustellen. Auf der anderen Seite sorgen gerade die wirklich schlechten Computereffekte auf Tatooine für Augenkrebs. Da ist versucht worden, der Hafenstadt mehr Leben einzuhauchen, in dem man urige Gestalten in den Hintergrund animiert und teilweise völlig neue Szenen, die gänzlich aus dem PC stammen, hinzugefügt hat. Leider war Lucas Mitte der 90er noch nicht bereit für entsprechende Effekte, weshalb gerade die lebenden Kreaturen eher schlecht als recht ausschauen und die computeranimierten Szenen überhaupt nicht ins restliche Bildmaterial passen wollen. Einige inhaltliche Veränderungen verschlechtern den Film meiner Meinung nach zusätzlich, statt ihn aufzuwerten.
Zu nennen wäre hier die abgeänderte Szene mit dem Kopfgeldjäger Greedo oder die neu eingefügte Szene mit Han Solo und der schleimigen Weltraumschnecke Jabba. Erster genannte Szene funktioniert in der neuen Fassung einfach nicht: Lucas wollte Han Solo dessen Kaltblütigkeit nehmen: Han und Greedo sitzen sich an einem Tisch gegenüber. Greedo eröffnet seinem Gegenüber, dass dieser von Jabba gejagt wird und Greedo ihn nun umlegen wird. Han erschießt Greedo daraufhin ohne Vorwarnung. In der neuen Fassung feuert Greedo zuerst, verfehlt allerdings seinen Gegner und wird daraufhin liquidiert. Erstens muss Greedo wohl der schlechteste Kopfgeldjäger des Universums sein, wenn er aus der Entfernung (etwa einen Meter) daneben schießt. Zweitens ist die Erweiterung der Szene um diesen kleinen Zusatz alles andere als gelungen. Die kurze Einstellung, in der Greedo feuert, schaut eher schlecht als recht aus. Harrison Ford ist entweder computeranimiert oder aus Standbildern aus anderen Einstellungen zusammengesetzt, jedenfalls sieht er aus wie eine polierte Puppe. Solche Zusätze oder auch die angesprochene Szene mit Jabba werten die überarbeitete Fassung definitiv ab.
Fazit
Die originale Kinoversion von „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“ ist und bleibt einer der besten Sience-Fiction-Filme aller Zeiten. Der Film hat über die nunmehr über dreißig Jahre fast nichts seiner Faszination verloren und funktioniert auch heute noch als zeitloser Meilenstein der Filmgeschichte. 5/5 Todessterne!
