Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels - Kritik vom 27.06.2008
Neulich habe ich mir im Kino "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" gegeben. Ich muss ehrlich sagen, ich bin ohne große Erwartungen in diesen Film gegangen, da ich erstens nicht unbedingt ein Fan der alten Filme bin, und zweitens hat mir der Trailer im Vorfeld überhaupt nicht gefallen. Indy wirkte auf mich einfach viel zu alt und alles überladen mit CGI-Effekten und viel zu bunt für einen Indiana Jones-Film.
Im Kino dann die erste Überraschung: Harrison Ford ist keines Falls zu alt für die Rolle des Indiana Jones. In dem Moment, in dem er sein Indy-Kostüm überstreift, ist er wieder voll und ganz der gute alte Schatzsucher. Die 65 Jahre, die Harrison Ford mittlerweile zählt, sieht man ihm eigentlich nur an, wenn er im Anzug seinem Zweitjob als Professor nachgeht (dann wirkt er sogar noch viel älter...), ansonsten ist er agil wie eh und je, hüpft herum und verprügelt Russen am laufenden Band.
Was mir sehr gut gefallen hat, ist der Humor des Films: Die Gags passen super und vor allem die Dialoge zwischen Indy und Mutt (Shia LaBeouf) sind richtig spritzig. Auch wenn der Humor stellenweise schon ins Alberne abrutscht, tut das dem Film im Ganzen doch gut.
Die Action kann ebenfalls überzeugen und bewegt sich auf hohem Niveau. Egal ob Verfolgungsjagden, Schlägereien oder einstürzende Ruinen, alles ist perfekt in Szene gesetzt und wird durch gezielte Gags aufgelockert. Die Computereffekte sind Größenteils sehr überzeugend - und leider ist das genau das Problem des Films: Aufwendige CGI-Effekte, wohin das Auge blickt, alles leuchtet, alles ist bunt, der gesamte Film gleicht einem grandiosen Feuerwerk. Doch das passt einfach ganz und gar nicht zu Indiana Jones. Es wirkt einfach alles viel zu glatt und zu glänzend. Wo bitte schön ist diese dreckige Atmosphäre der alten Filme hin? Viel zu wenig wurde wirklich traditionell vor der Kamera verwirklicht, auch wenn Spielberg im Vorfeld etwas anderes versprochen hatte. Alles sieht aus wie frisch gewaschen. Computeranimierte Erdmännchen, CGI-Ameisen und Verfolgungsjagden, die an das quirlig-farbenfrohe "Star Wars: Episode II" erinnern - muss das sein?
Auch in Punkto Gewaltdarstellung passt sich Indiana Jones dem modernen Kino an und hält sich somit vornehm zurück, damit auch möglichst viele Kinder in den Film dürfen, um den höchst möglichen Umsatz zu erzielen. Genau das schadet dem Film mehr als es ihm gut tut, zu Indiana Jones gehörte seit jeher auch eine Portion Gewalt. Hier denkt man eher, man schaue einen Kinderfilm und nicht die Fortsetzung eines beinharten Actionkrachers (siehe "Stirb Langsam 4.0“, „Star Wars Episode I – III“). Aber ich weiß jetzt schon, klingelnde Kinokassen werden den Produzenten einmal mehr Recht geben. Somit ist es schwierig, diesen Film mit den alten Teilen gleichzusetzen, und ähnlich wie bei anderen modernen Sequels alter Filme wird man das Gefühl nicht los, dass dieser Film einfach nicht in die Reihe passt.
Ganz nebenbei ist die Story völlig daneben. Total überladen und übertrieben und unlogisch, bis zum Es-geht-nicht-mehr. Die Drehbuchautoren scheinen in ihrer eigenen kleinen Welt zu leben, anders ist es kaum zu erklären, dass Indy eine Atomexplosion (!) in einem Kühlschrank (!!!) überlebt oder dass er einfach mal so drei gigantische Wasserfälle hintereinander hinunterstürzt und danach putzmunter wieder dem Wasser entsteigt. Hollywood hat uns über die Jahre glauben lassen, dass Autos explodieren, wenn man drauf schießt, dass man metertief fallen und auf hartem Beton aufschlagen kann, ohne sich zu verletzen, aber was hier in „Indiana Jones 4“ abgezogen wird, geht einfach zu weit!
Die Schauspieler machen ihren Job größenteils ganz gut, die Anführerin der bösen Russen Irina Spalko (Cate Blanchett) wirkt mehr blass als überzeugend. Gut gefallen hat mir Shia LaBeouf als Mutt, der Junge scheint noch eine große Karriere vor sich zu haben.
Trotz aller Kritikpunkte hat mich der Film über die gesamte Laufzeit hervorragend unterhalten, es ist einfach Popcornkino auf hohem Niveau. Leider aber kein richtiger Indiana Jones.
Ich gebe 4/5 Peitschen für eine Fortsetzung, die die Reihe eigentlich nicht gebraucht hätte.
