Kung Fu Hustle - Kritik vom 31.08.2009
Regisseur und Hauptdarsteller Stephen Chows siebte Regiearbeit „Kung Fu Hustle“ ist eine bunte, aberwitzige Actionkomödie im CGI-Overkillmodus. Dank skurriler Szenen und krass übertriebener Kämpfe sicherlich nicht jedermanns Geschmack, kann man den Film am besten als Anime mit realen Darstellern bezeichnen. Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Fan des asiatischen Kinos bin – „Kung Fu Hustle“ aber, soviel sei vorweg verraten, avancierte gleich schon beim ersten Anschauen vor einigen Jahren zu eben jenen Filmen, die ich immer wieder gerne in den Player schiebe.
Zur Story: Im China der vierziger Jahre regiert die sogenannte Axt-Gang, eine Mafia-ähnliche Verbrecherorganisation, mit Angst und Schrecken. Als der Möchtegernkriminelle Sing (Stephen Chow) sich in einem armen Arbeiterviertel selbst als Mitglieder jener Gangsterorganisation ausgibt, lenkt er das Augenmerk der Axt-Gang auf die friedlichen Arbeiter. Schnell zeigt sich, dass diese sich besser zu verteidigen wissen, als man glaubt.
Der Film beginnt gleich ganz groß, die erste Szene zeigt die Axt-Gang in ihrem Umgang mit Konkurrenten. Blut spritzt, Menschen sterben, Humor passt; spätestens nach zwei Minuten weiß der Zuschauer, dass er sich auf eine kompromisslose Actionkomödie einlassen sollte. Der Gewaltgrad ist tatsächlich nicht zu vernachlässigen. „Hustle“ gehört definitiv zu den Filmen, bei denen ich mich frage, wie man auf eine FSK-12-Freigabe kommt.
Auch Soundtechnisch beginnt der Film ganz groß: Der Score präsentiert sich direkt von seiner stärksten Seite und kann diese Qualität auch fast die gesamte Spielzeit lang halten. Schade, dass die Sounds, besonders die von Schlägen und Tritten, nicht immer auf der Höhe sind und ein ums andere mal etwas billig wirken.
„Kung Fu Hustle“ ist vor allem eins: Ein Martial-Arts-Film. Die Kämpfe sind perfekt choreographiert und erinnern nicht nur zufällig an die Matrix-Trilogie, zeichnet doch Choreograph Yuen Woo-ping sowohl für „Hustle“ als auch für die Kämpfe in Matrix verantwortlich.
Der Film bietet viele, unterschiedliche Kämpfer mit verschiedenen Kampfstilen, wobei besonders in den Actionszenen die Skurrilität zur Geltung kommt. Die Vermieterin (genial: Yuen Qiu) bringt allein durch ihren Schrei Gebäude zum Einsturz, das Biest (ebenfalls genial: Martial-Arts Altmeister Leung Siu-Lung) beherrscht den tödlichen Krötensprung und legt so mit einem Satz etliche hundert Meter zurück. Hauptdarsteller Chow prügelt seine Gegner im Schlussakt kilometerhoch in die Luft. Gar Hong Hay und Funk Hak On als tödliche Musiker entledigen sich ihrer Gegner durch letale Klänge. Dabei wird das Auge des Betrachters von vorne bis hinten durch Größenteils meisterhaft eingesetzte CGI-Effekte verwöhnt; der ganze Film wirkt wie aus einem Guss, so gut greifen die computergenerierten Elemente und die realen Darsteller ineinander. Bei den Kämpfen wurde überdies viel mit Drahtseilen realisiert; wie gesagt, wer Matrix mochte, wird mit „Kung Fu Hustle“ zumindest actiontechnisch bedient.
Das der Streifen viel mehr kann als nur Martial-Arts, beweisen die vielen „kleinen“ Szenen, die gemächlich und gefühlsbetont abseits des Effektgewitters wunderbar funktionieren und „Hustle“ letztendlich noch die nötige, handlungstechnische Tiefe verleiht. Tatsächlich steckt hinter den Charakteren doch mehr als bloß ein Mittel zum Zweck. Dabei habe ich selten einen Film gesehen, bei dem ausnahmslos alle Darsteller ohne Abstriche in das Geschehen hineinpassen wie die Faust aufs Auge. In „Kung Fu Hustle“ gibt es mehr verrückte und abgedrehte Figuren, als es in anderen Filmen überhaupt Charaktere gibt; und jede einzelne von ihnen ist ausgeklügelt, hervorragend besetzt und eine Bereicherung für den Unterhaltungswert des Films. Der Kenner findet viele alte Bekannte aus alten wie neuen Hongkong-Actionfilmen, unter anderem Yuen Wah, der hier zum ersten Mal keinen bösen Charakter spielt.
Filmkenner- und Liebhaber werden noch von einem ganz anderen Standpunkt aus Freude an diesem Film haben: Die Palette der Anspielungen auf andere, auch westliche Filme, scheint endlos; Spider-Man, The Shining, The Blues Brothers – um nur einige zu nennen. Wer suchet, der findet!
Der Humor passt und dürfte auch bei Nichtfans des Asienkinos ankommen, ich jedenfalls habe meine Lachmuskulatur ganz schön angestrengt. Bei einer Szene musste ich sogar unterbrechen, da ich sonst vor lauter Lachen nichts mehr mitbekommen hätte. Ich sage nur „Messer werfen“!
Ganz klare Sache: Nicht jeder wird mit diesem Film etwas anfangen können. Man muss bereit sein, sich auf ein skurriles Erlebnis einlassen zu müssen. Wem es sauer aufstößt, dass die Kämpfer mit einer Handbewegung ganze Gebäude einreißen, dass sie Kugeln abfangen können und in Dragonball-Manier Superattacken verteilen, der wird an „Kung Fu Hustle“ nichts finden können. Wer sich aber darauf einlässt, wer Matrix mochte und wer auf coole Action, Humor und abgefahrene Einfälle steht, den erwartet ein richtig guter Film!
Ich vergeb 5/5 Messergriffen!
