Halloween (2007) - Kritik vom 11.10.2009
Version: Kinofassung (Die Kinofassung ist in Bezug auf Gewaltdarstellung übrigens nicht geschnitten, die als "Unrated" bezeichnete Fassung ist lediglich um einige Dialoge länger und bietet eine alternative Version zu Michaels Gefängnisausbruch)
Vorneweg merke ich an, dass ich die originalen Halloween-Streifen nie gesehen habe. Rob Zombie lieferte im Jahre 2007 mit „Halloween“ eine Neuinterpretation der bekannten Horror-Reihe. Dabei beleuchtet er umfangreich die verdorbene Kindheit des Massenmörders Michael Myers, um die Ursachen für dessen Mordlust zu ergründen.
Michael wächst in einer wirklich kaputten Familie auf. Der Stiefvater ist ein nutzloser Säufer, die Mutter eine Stripperin. Seine große Schwester flüchtet vor den Trümmern des Familiendaseins in Arroganz und Aggressivität. Michael versteckt sich am liebsten hinter einer Maske. Der Stiefvater beschimpft seine Frau und die Kinder am laufenden Band und lässt sich freizügig darüber aus, dass er Michaels Schwester gerne mal flachlegen würde. Rob Zombie griff wahrlich tief in die Klischeekiste, um Myers Kindheit zu zeichnen. So tief, dass es lächerlich aufgesetzt wirkt. Die erste halbe Stunde von "Halloween" ist ohne Frage der schwächste Teil des Films. Die Hirnfolter des anspruchsvollen Filmeliebhabers endet vorerst damit, dass Michael in einer Halloween-Nacht seine gesamte Familie ermordet. Er wird eingesperrt und bricht Jahre später wieder aus. An diesem Punkt beginnt die eigentliche Handlung des Ur-Halloweens. Michael kehrt an den Ort seiner Kindheit zurück, um seine Morde fortzusetzen. Ähm, sagte ich, die Folter des anspruchsvollen Filmliebhabers endet an dieser Stelle des Films? Entschuldigung, nein, der Graus geht natürlich weiter:
"Halloweens" größtes Manko ist der Spannungsbogen. Der Film schafft es einfach nicht, Spannung aufzubauen; ich habe das Geschehen auf dem Bildschirm mit Gleichgültigkeit verfolgt. Die ganze Geschichte ließ mich völlig kalt. Das liegt zum einen sicherlich an der skurrilen und klischeeüberfluteten ersten halben Stunde, die mich von vorne herein auf einen eher schlechten Film eingestimmt hat, zum anderen ist das ganze Spektakel mehr als vorhersehbar. "Halloween" bricht zu keinem Zeitpunkt aus den ausgelutschten Regeln einen Horrorfilms aus und bietet daher auch nicht mehr als Standardkost: Dabei ist es ebenso selbstverständlich, dass die Opfer vor Myers immer die Treppen hoch flüchten, obwohl das denkbar dumm ist, auch gilt hier die ungeschriebene Regel „wer vögelt, der stirbt“. Tatsächlich überleben unter den Teenies nur die Jungfrauen.
Ich schaue keinen Film ausschließlich wegen seines Blutgehalts. Ich meine vielmehr, ein guter Horrorstreifen kann auch ohne Gewalt auskommen. Wenn sich die Macher aber für Splattereffekte entscheiden, dann sollten diese schon von einer gewissen Qualität sein. "Halloween" sieht man leider nur sehr selten an, dass es ein moderner Film ist. Zwar wurde auf CGI-Blut gänzlich verzichtet (ein Glück!), dafür sehen einige der Splattereffekte billig aus. Wenn selbst meine Freundin sagt: „Boahr, sieht das schlecht aus, da sieht man ja genau, wie die das gemacht haben“, dann gibt mir das zu denken!
Noch ein Punkt am Rande: Ich habe den Film in der deutschen Fassung gesehen, da fiel mir sofort die teilweise schlechte Synchronisation negativ auf. Besonders die Stimme des Michael passt nicht und scheint einfach nur grob über die Tonspur gelegt worden zu sein.
Wie gesagt, ich habe die alten Filme nie gesehen, allerdings meine ich gehört zu haben, dass Michael Myers unsterblich ist. Das mag für die Originale zutreffen oder nicht, im neuen scheint er jedenfalls unverwundbar zu sein. Er wird mehrmals angeschossen, ein Teenie bohrt ihm ein Messer in die Schulter, aber das alles macht Myers, ähnlich wie Jason Voorhees, nichts aus. Komisch, immerhin schien er in seiner Jugend noch ein ganz normaler Junge gewesen zu sein. War der Gedanke dahinter einfach nur, „Michael hält halt viel aus“, dann ist das völliger Schwachsinn. SOVIEL hält keiner aus. Außerdem wundere ich mich doch, dass er einfach überall sein kann. Er taucht immer direkt hinter seinen Opfern auf, egal ob sich diese gerade in verschlossenen Räumen oder sonstwo befinden. Er hat auch keine Probleme damit, eine Szene später plötzlich wieder ganz woanders zu sein. Vermutlich ist er nicht nur unsterblich, sondern kann sich auch noch beamen?
Die Dialoge sind, zumindest nach der Jugend von Michael, durch die Bank weg gut und realitätsnah. Die Teenies sprechen so, wie auch echte Teenies reden und scheuen keine Fäkalausdrücke. Gefällt mir! Mit dem Cast kann ich auch leben. So illustre Namen wie Udo Kier, Brad Dourif und Malcolm McDowell flimmern im Abspann über den Schirm.
Insgesamt ist der neue "Halloween" ein Schuss in den Ofen. Mangelnde Spannung und ein schlechtes Drehbuch verhindern eine höhere Wertung als 2/5 Küchenmesser; und die gibt es auch nur, weil die Dialoge Größenteils überzeugen und es im Endeffket doch den einen oder anderen Schockeffekt gibt. An eines hat mich „Halloween“ aber erinnert: Ich muss das Original unbedingt nachholen.
1 Kommentar
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#1
Hätte nicht gedacht, dass der Film eigentlich so schlecht ist. Ich bin ja selber Hobby-Kritiker, aber irgendwie ist mir das alles was du aufgezählt hast gar nicht so aufgefallen. Als ich den gesehen hatte, hab ich den auch einfach laufen gelassen und zwar ohne den Kritikerblick aufgesetzt zu haben.
Aber jetzt wo ich deine Meinung lese fällt mir schon auf, wie recht du hast. Allerdings finde ich das Remake immer noch besser als das Original.
Wenn man mal einen Splatterfilm für 'nen Männerabend braucht, bei dem auch Bier getrunken wird und keiner so wirklich auf die Qualität achtet kann man sich den Film hier aber wirklich mal ansehen. Beim Original sehe ich keinen Grund weswegen ich mir den nochmal ansehen sollte. Ich glaube ich hab den Film damals noch nicht mal zu Ende gesehen, da er mich so wenig interessiert hat.
Die originale Halloween-Reihe ist sowieso eine seltsame Sache. Bei Halloween Teil 4 geht es zum Beispiel überhaupt nicht mehr um Michael Myers. Da verfolge ich lieber weiterhin Rob Zombies Remakes der Halloween-Reihe.
Er sagt auch, er macht ein weiteres Remake zum Film "The Blob" und es soll in eine völlig andere Richtung gehen, als die bisherigen Blob-Filme. Vielleicht schafft er bei dem Monsterfilm ja was besseres, als im Splatterbereich.
Aber insgesamt bin ich sowieso froh, dass das Remake in die Hose ging. Remakes sollte es nicht geben, vorallem im Moment wo so viele gemacht werden hasse ich diese. Ich hoffe, die großen Tiere im Filmgeschäft verstehen endlich irgendwann, dass Remakes nicht gern gesehen sind.
Prequels und Sequels zu Klassikern (z.B. Alien; Predator) sind noch okay. Aber Remakes?? Hallo?? Wofür dieses Auftauen von Klassikern? Nur weil sie alt werden, werden sie deswegen nicht weniger schlecht.
mfG Matthias 