Das Ding aus
einer anderen Welt - Kritik vom 08.07.2008
Version: Ungekürzte Fassung
(107 Min.); englische Tonspur (Originalton)
John Carpenters "Das Ding aus einer anderen Welt" ist ein düsteres und beklemmendes Kammerspiel. Zwölf Wissenschaftler sitzen abgeschnitten von der Außenwelt in einer Forschungsstation in der Antarktis fest. Ein außerirdisches Wesen, das jede Lebensform, mit der es in Berührung kommt, imitieren kann, hat sich in Form eines Hundes auf der Station eingeschlichen. Wer ist infiziert? Wer nicht? Die Wissenschaftler beginnen, an ihren Kollegen zu zweifeln.
Der Film strahlt von der ersten bis zur letzten Minute eine eisige, unwohle Atmosphäre aus, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Die Farben sind allesamt kühl und trostlos, das Setting der einsamen Forschungsstation im ewigen Eis lässt ein Gefühl der Ausweglosigkeit aufkommen und die ruhige Präsentation sowie der geniale Score (der nur sehr selten zum Einsatz kommt, die meiste Zeit über herrscht unerträgliche Stille) machen die Gruselstimmung perfekt. Dazwischen zwölf Wissenschaftler, die anfangen, einander zu misstrauen und sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Und irgendwo unter ihnen gibt es da noch ein Alien, eine außerirdische Lebensform, unsichtbar und tödlich. Ein vermeintlich perfekter Horror-Cocktail - doch leider wollte der Funke bei mir am Ende doch nicht ganz überspringen.
Vorweg muss ich sagen, dass ich diesen Film für allgemein überbewertet halte. Keine Frage, es ist ein guter Film, aber meiner Meinung nach eben "nur" ein guter Film und nicht mehr. Was vor allem den Sprung in höhere Wertungsgefilde verwehrt, ist die viel zu große Gruppe von Wissenschaftlern, die der Film unterzubringen versucht. Ich konnte mir die verschiedenen Gesichter und Namen kaum merken und so fiel es mir schwer, der Handlung zu folgen, vor allem, weil alle paar Minuten über irgendwelche Dritte, die sich gerade nicht im Raum befinden, gesprochen wird. Das nimmt dem Ganzen etwas die Spannung. McReady (Kurt Russell), der versoffene letzte Cowboy (wer den Film kennt, weiß, was ich meine) ist der einzige, der hervorsticht und mit dem sich der Zuschauer gut identifizieren kann. Vor allem deshalb, weil McReady kein Held ist, kein John McClane oder Superman, sondern ein einfacher Mann, der seine Haut retten will. Die Schauspieler machen ihre Sache trotzdem allesamt sehr gut, es sind eben einfach zu viele.
Schade ist auch, dass der Film immer wieder Längen hervorbringt und mit überflüssigen Dialogen nervt. Schade vor allem deshalb, weil es daneben auch so gute und extrem spannende Abschnitte wie die
"Bluttest-Szene" gibt, die den Zuschauer förmlich in den Sitz presst.
Zum Schluss noch ein paar Worte zur Action: Sie ist spärlich gesät, überaus blutig und technisch genial umgesetzt (sehr geile Stop-Motion-Effekte, muss man gesehen haben!). Wow, die Verwandlungen des Aliens sind richtig eklig und abstoßend, selbst ein von modernen Produktionen verwöhntes Auge kommt hier bestimmt auf seine Kosten! Dieser Film beweist einmal mehr, dass kein seelenloses CGI-Monster einer guten, handgemachten Puppe/Attrappe das Wasser reichen kann.
Daher wirklich schade, ein bisschen mehr Action, ein paar Kürzungen unnötiger Dialoge und ein etwas innovativeres Finale und "Das Ding" hätte ein Meisterwerk werden können. Trotzdem gilt: Horrorfans und Splatterjünger sollten sich diesen Film nicht entgehen lassen!
Somit bleiben leider nur 3/5 platzende Schäferhunde für einen Film, der deutlich mehr Potenzial hätte!
