Star Wars: The Clone Wars - Kritik vom 29.06.2009

 

"Star Wars: The Clone Wars" ist der Pilotfilm zur gleichnamigen TV-Serie, den George Lucas, seines Zeichens Schöpfer des Star-Wars-Universums , lustigerweise als Kinofilm verkaufen wollte.

 

Handlungstechnisch setzt der Film zwischen Episode II und Episode III an und handelt grob von den Klonkriegen. Im Mittelpunkt stehen Anakin Skywalker und seine neue Padawan-Schülerin Ahsoka Tano, die den entführten Sohn von Jabba dem Hutten befreien sollen, damit sich dieser auf einen Vertrag mit der Republik einlässt. So weit so gut. Beinharte Star-Wars-Fans werden schon in den ersten Sekunden weinen, denn es gibt leider keine legendäre Texttafel, die vor schwarzem Sternenhimmel über den Bildschirm fährt.

 

Was hat mir an diesem Film gefallen?

Alle aus den Filmen bekannten Synchronsprecher sind auch hier dabei, dass fand ich cool (zumindest im Deutschen, auf Englisch leider nicht). Der ein oder andere Gag ist nicht schlecht - und ich hatte Bock auf Episode III, nachdem ich diesen Streifen hier gesehen habe.

 

Was hat mir nicht gefallen?

Naja, irgendwie alles andere. Dabei bin ich wirklich nicht mit hohen Erwartungen an diesen Film herangegangen.

 

Optisch ist der "Clone Wars" eine Katastrophe. Ich habe schon viele Videospiele gesehen, die deutlich besser aussehen. Angefangen bei den Texturen, die teilweise aus nicht mehr als farbigen Flächen bestehen bis hin zu den grausamen, hölzernen Animationen gibt es in den gesamten 95 Minuten keine einzige Einstellung, in der irgendetwas mehr als das Adjektiv "passabel" verdient hätte. Dank der praktisch nicht vorhandenen Mimik der Charaktere hat der Zuschauer keine Chance, mit ihnen mit zu fiebern oder sich gar mit ihnen zu identifizieren. Die Haare der Charaktere sind der absolute Brüller. Man denkt zeitweise, die Figuren tragen Hüte, dabei sind das deren Haare! Die Frisuren bestehen aus einer zusammengeschweißten Masse, auf die ein paar Haare aufgemalt sind. Ganz toll! Das konnte Toys Story vor 13 Jahren schon besser. Die Actionszenen wirken unspektakulär und sind zudem mies inszeniert, nie kommt annähernd so etwas wie "Spannung" auf. Eher hat man das Gefühl, dass man immer wieder die gleichen Animationen vor wechselnden Hintergründen geboten bekommt. In den Laserschwertduellen fehlt jegliche Dynamik und Power. Die Explosionen haben weder Tiefe noch richtige Texturen, sondern sind nur orangene 2D-Scheiben, die über dem explodierenden Objekt erscheinen. Einzig die Weltraumschlachten sind ganz nett gemacht.

 

Einige argumentieren nun damit, dass es sich immerhin nur um den Piloten einer Serie handelt und dass man daher die durchschnittliche Technik verzeihen kann. Dem kann ich nur entgegensetzen, dass Lucas diesen Film ins Kino gebracht hat und ihn auch bei der DVD/Blu-Ray-Verwertung wie einen eigenständigen Film behandelt, dann muss er sich auch den Vergleich mit anderen Filmen "dieser Liga" gefallen lassen. Er wollte nun mal Reibach machen, so viel wie möglich. Eigentlich ist es eine Frechheit, einen Film auf diesem technischen Niveau ins Kino zu bringen und dafür auch noch Geld zu verlangen. Zusammen in einer DVD-Box mit der ersten Staffel, da hätte sicherlich niemand etwas gesagt.

 

Zurück zu "Clone Wars":
Die Protagonisten kämpfen sich von einer Situation in die nächste, führen Dialoge, die weniger Anspruch haben als die von "Bob der Baumeister" und gehen mir dabei ständig auf die Nerven. Besonders Ahsoka lädt durch ihre dummen Sprüche mehr als einmal zum fremdschämen ein. Anakin ist definitiv nicht der einzige, der sie am liebsten mit dem Laserschwert gegrillt hätte. Die Droiden, die mir schon in "Episode III" zu menschlich waren, nur um den ein oder anderen Lacher zu tragen, setzen hier noch einen drauf. Wenn 100 Droiden zwei Klonkrieger umzingeln, der eine Klonkrieger dann brüllt: "Wir sind in der Überzahl!" und der Bossdroide sich daraufhin verwirrt umschaut und seine Mitstreiter zu zählen beginnt, dann ist das zu viel des Guten. Einige Szenen machen den Film dadurch dermaßen lächerlich, dass ich zeitweise das Gefühl bekam, ich sehe hier eine Persiflage auf "Star Wars".


Leider lässt sogar die Musik, die bisher noch jeden Star Wars-Film zum unvergesslichen Erlebnis gemacht hat, uns hängen. Besonders Fans werden enttäuscht sein, dass es außer einer abgewandelten Version aus einem der Stücke des Star Wars-Soundtracks weiter nichts mit Wiedererkennungswert zu hören gibt. Ironischerweise fügt sich die Musik sogar die meiste Zeit über sehr gut in das restliche Bild, das "Clone Wars" abgibt, ein: Hauptsächlich billige Elektronikmusik, einmal Rockmusik, qualitativ mit den Stücken, die Jamba anbietet, auf einer Wellenlänge. Auch der eine abgewandelte Track erreicht nie die Größe des Originals.

Andere Dinge sind zwar an sich nette Einfälle, wollen aber einfach nicht ins Star-Wars-Universum passen. Zu nennen wäre da zum Beispiel Jabbas schwuler (!) Onkel.

 

Ich habe sehr lange überlegt, ob ich Clone Wars tatsächlich verreißen soll, oder ob ich einfach nur die falsche Zielgruppe bin. Denn immerhin ließ mich der Film dank der Dialoge und Aufmachung mehrmals glauben, ich schaue einen waschechten Kinderfilm, also wirklich nur für Kinder. Aber dem steht ganz einfach entgegen, dass der Film ab 12 Jahren freigegeben ist. Zum Vergleich: "Jurassic Park" ist ab 12, "Der Herr der Ringe" ist ab 12, ergo alles keine Kinderfilme. Vielleicht haben die Macher auch einfach völlig vergessen, den Film auf eine bestimmte Zielgruppe auszurichten, denn bei Szenen, wie der, wo sich ein Druide einen entwaffneten Klonkrieger schnappt, ihn hochhebt und ihm einen Laserschuss durch den Oberkörper jagt, was man inklusive dem Durchschlagen des Lasers durch den Körper sieht, dann wird mir irgendwie klar, dass "Clone Wars" doch nicht für Kinder bestimmt sein kann. Vielleicht muss die Zielgruppe ja erst noch geschaffen werden, der dieser Film gefallen wird. Man weiß es nicht genau.

 

Ich vergebe 1/5 Jabba-Babys.

 

 

 

 

 

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