Casino Royale - Kritik vom 23.06.2009
Version: Internationale, zensierte Version (0,4 Sekunden kürzer als die ungeschnittene Version; es fehlt, wie der Bombenleger am Flughafen dem Tankwart das Genick bricht.)
"James Bond: Casino Royale" ist kein typischer James Bond-Film. Es gibt keinen Q, keine Moneypenny, keine Gadgets und Bond hat keine schwarzen Haare. Soviel vorweg.
James Bond (Daniel Craig) ist gerade erst in den Doppelnull-Status aufgestiegen und erhält nun seinen ersten Auftrag: Er soll den Terroristen-Bankier Le Chiffre (Mads Mikkelsen) bei einem Pokerspiel um dessen Geld bringen. Le Chiffre hat nämlich ein großes Problem: Er hat das Geld seiner Kunden verspielt und bangt nun um sein Leben. Er will seinen Kontostand durch ein Pokerspiel in Montenegro wieder auffrischen.
Der neue Bond ist anders, wie schon gesagt, viele Elemente der
früheren Filme fehlen. Das erklärt sich wohl dadurch, dass "Casino Royale" eigentlich ein Prequel ist, also vor den anderen Filmen spielt. Man erfährt, wie Bond die Lizenz zum Töten erhält und wie sich seine Anfänge als 007
gestalten.
Dabei kommt "Casino Royale" deutlich realistischer daher. Keine unsichtbaren Autos, keine Oberschurken, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen, sondern nur "einfache" Terroristen in einer Welt
voller aktueller Probleme. Die Action kommt trotzdem nicht zu kurz und ist grandios in Szene gesetzt. Egal, ob eine spektakuläre Verfolgungsjagd über eine Baustelle oder eine Schießerei in Venedig,
alles ist perfekt inszeniert. Rasant, knüppelhart und laut; das ist Popcornkino in Bestform!
Auch Daniel Craig fügt sich entgegen aller Erwartungen sehr gut in das Bond-Gefüge ein. Er wirkt härter und leidenschaftlicher als seine Vorgänger und hat insgesamt mehr Charakter als z.B.
Brosnan. Das tut der Reihe ebenfalls sehr gut. Das Bondgirl (Eva Green) ist dieses Mal nicht ganz so aufreizend gekleidet, sondern kommt etwas stilvoller daher, was mir ebenfalls
sehr gut gefallen hat. Zu guter Letzt sollte noch die Selbstironie erwähnt werden, die wie die Faust aufs Auge passt. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie augenzwinkernd das Drehbuch mit dem Mythos
Bond umgeht.
Somit zählt "Casino Royale" meiner Meinung nach definitiv zu den besten Bond-Filmen der letzten Jahre, doch perfekt ist auch dieser Film nicht: So ist er mit einer Länge von 140 Minuten doch etwas lang geraten, vor allem das Ende zieht sich sehr. Und die deutsche Synchronisation ist zum Teil sehr schlampig, so wurden Gespräche im Hintergrund meist gar nicht übersetzt.
Bleibt festzuhalten, "Casino Royale" ist Popcornkino in Reinkultur, mit vielen Höhepunkten, guten Gags und einem neuen, modernen Bond. Zum Schluss sollte ich noch den jetzt schon kultigen Auftritt von Ex-Balko-Partner Ludger Pistor erwähnen. Einfach genial!
Ich vergebe daher 5/5 Martinis.
