Brotherhood - Kritik vom 04.07.2008

 

Immer öfter begegnen uns „Wessis“ Filme aus Korea, die rein optisch der Konkurrenz aus Hollywood in nichts nachstehen. Man denke da zum Beispiel an "Dragon-Wars", oder auch an "Brotherhood", ein brachiales Anti-Kriegsepos aus dem Jahre 2004.

 

Schauplatz der Handlung ist der für uns Filmfreunde noch recht unverbrauchte Koreakrieg. Im Mittelpunkt stehen die zwei Brüder Jin-Tae (Jang Dong-kun) und Jin-Seok (Won Bin), die bei Ausbruch des Krieges 1950 eingezogen werden und sich im Verlauf der Kämpfe immer weiter voneinander entfremden.

Ähnlich, wie bei "Der Soldat James Ryan" gibt es auch hier eine in der Gegenwart spielende Rahmenhandlung um einen der beiden Brüder. Interessant vor allem ist hierbei, dass man schon direkt am Anfang erfährt, dass einer der beiden damals im Krieg fiel, es wird aber nicht deutlich, wer. Das erhöht die Spannung und die Dramatik ungemein und ließ zumindest mich bis zur letzten Minute mit zittern.

 

Auch rein technisch muss sich die südkoreanische Produktion keineswegs hinter den großen Brüdern aus Hollywood verstecken. Die krassen und bis ins Mark gehenden Actionszenen, von denen der Film eine ganze Menge zu bieten hat, sind grandios in Szene gesetzt und erinnern vom Stil her einmal mehr an "Der Soldat James Ryan", vor allem was die Kameraführung anbelangt. Höchstens ein Fliegerangriff der Amerikaner sieht etwas billig aus.

 

Die ganze Grausamkeit des Krieges wird dargestellt; verrückt gewordene Soldaten, aufgerissene Leiber und Verräter, die auf offener Straße erschossen werden. Alles ist drin und somit ist "Brotherhood" definitiv nichts für schwache Gemüter! Blut fließt en masse. Auch die Story um die beiden Brüder weiß zu gefallen und bietet viele dramatische Momente, die vor allem durch den grandiosen Score unterstützt werden.

 

"Brotherhood" schrammt bei mir nur ganz knapp an der Wertungsoberliga vorbei, dass liegt vor allem an zwei Dingen: Zum einen schafft es auch dieser Kriegsfilm nicht, über den Tellerrand hinauszuschauen. Die bösen, roten Kommunisten bleiben auch den ganzen Film über böse, rote Kommunisten ohne Hintergründe oder nähere Betrachtungen. Auch das kennt man ja aus Filmen wie "Der Soldat James Ryan". Außerdem hapert es an einigen Stellen doch etwas mit der Glaubwürdigkeit. Dass zum Beispiel die beiden Brüder ständig und in jeder Schlacht aufs Neue dreißig Feinde und mehr niederprügeln und erschießen, während sie selbst nie getroffen werden, lässt mich doch zweifeln, wie realistisch das denn sein kann; vor allem, weil Jin-Seok klein und schmächtig ist. Auch der Storytwist am Ende wirkt etwas aufgezwungen, um irgendwie noch einmal den Spannungsbogen zu heben.

 

Trotzdem, "Brotherhood" ist ein brachialer Kriegsfilm geworden, technisch sauber und spannend bis zum Schluss. Somit erhält er von mir auch 4/5 Punkten.

 

 

 

 

 

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