Die Brücke - Kritik vom 08.09.2008
Gestern haben wir uns zu unserer wie üblich
sonntägigen Filmsession eingefunden und uns auf einen echten Klassiker der deutschen Filmgeschichte gestürzt: Bernhard Wickis "Die Brücke". Deutsche Kriegsfilme tun sich ja seit jeher schwer
darin, die NS-Zeit aufzuarbeiten. Oftmals halten verkappte Parteifunktionäre oder von der Propaganda geblendete junge Männer als eine Art Alibi her, nicht aber in Wickis Film. "Die Brücke" schafft
es, die ganze Sinnlosigkeit der letzten Kriegstage auf sehr eindringliche Weise darzustellen, ohne dabei auf die sonst üblichen Klischees zurückzugreifen.
April 1945: Hauptsächlich geht es um sieben Jungs, Durchschnittsalter 16. Sie alle haben mit den typischen jugendlichen Problemen zu kämpfen: Es geht um die erste Liebe, um Konflikte mit den Eltern
und den Lehrern. Voller Tatendrang wollen sie endlich auch im so fernen und als Abenteuer erträumten Krieg mitmischen. Sie können es kaum erwarten, ihre Einberufung zu erhalten. Schließlich werden
sie eingezogen und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände finden sie sich plötzlich bei einer Brücke wieder, von der sie glauben, sie mit allen Mitteln gegen die Amerikaner verteidigen zu
müssen. Die Tragödie nimmt seinen Lauf.
Der Film beleuchtet die unterschiedlichsten Charaktere der Schlussphase des Krieges. Es gibt sowohl vor den Amerikanern flüchtenden hohen Tiere der Partei, als auch die sorgenden Mütter und den
Lehrer, der nach all den Jahren erst erkennt, wie gefährlich die Ideale sind, die er seinen Schülern beigebracht hat. An etlichen Beispielen wird die Sinnlosigkeit des Krieges aufgezeigt. Und selbst
als ein Ritterkreuzträger ängstlich vor den anrückenden Amerikanern flieht, gibt das den Jungen noch nicht zu denken. Im Gegenteil heizt es sie weiter an, das Vaterland bis zum Schluss zu
verteidigen.
Dabei war der Film für mich keineswegs nur eine Belehrung in Sachen "Krieg", vielmehr schaffte er es auch, mich die gesamte Laufzeit über zu unterhalten, wobei unterhalten hier nicht im Sinne von
amüsieren gemeint ist. Die ersten zwei Drittel beschäftigen sich mit der unbeschwerten Jugend der Jungs, da macht es einfach Spaß, ihnen beim Bootsbau und Nachstellen der Mädchen zuzuschauen. Im
letzten Drittel dann geht es um das Gefecht an der Brücke. Als die Jungs erkennen, was Krieg wirklich bedeutet, als sie von amerikanischen Panzern zusammengeschossen werden, da ist es zu spät. Die
Angst der Sieben ist nicht zu übersehen; einer macht sich in die Hose. Schließlich kämpfen sie nur noch, weil es keinen anderen Ausweg zu geben scheint. An dieser Stelle muss ich einmal die Leistung
der Darsteller hervorheben, die aus diesem Film erst ein so erschütterndes Erlebnis macht.
Auch von der technischen Seite weiß der Streifen zu gefallen, mehr noch, so scheint es mir, als habe ich nie etwas Vergleichbares aus dieser Zeit zu Gesicht bekommen. Massenweise Geschosseinschläge
an Häuserfassaden, blutige Körpertreffer und Panzerbeschuss, der ganze Wälder und Siedlungen umpflügt, hat es 1959 glaube ich in keinem anderen Film gegeben. Nur die Shermanpanzer sehen etwas komisch
aus und schweben teilweise über dem Boden. Bei genauerem Hinsehen sieht man das Traktorgestell, auf dem sie eigentlich fahren. Trotzdem, auch diese kleine Unsauberkeit macht den Film eigentlich nur
noch sympathischer.
Somit kann ich eine klare Empfehlung aussprechen und vergebe 5/5 schwebende Panzer!
