James Bond: Man lebt nur zweimal - Kritik vom 28.06.2008

 

In "James Bond: Man lebt nur zweimal" schlüpft Sean Connery zum fünften Mal in die Rolle des MI6-Agenten James Bond. Leider scheint er zur Zeit der Dreharbeiten gar keine Lust mehr auf James Bond gehabt zu haben, er wirkt den gesamten Film über gelangweilt, was seinem Charakter jegliche Abgeklärtheit und Coolness nimmt, die Bond bis dato immer ausgezeichnet hatte. Aber von vorne:

 

Der Kopf der SPECTRE-Organisation Ernst Stavro Blofeld (Donald Pleasence, dessen Gesicht man in diesem Films erstmals sieht) kapert ein sich im Orbit befindliches Raumschiff der USA. Die Amerikaner verdächtigen die Russen des Überfalls, nur der MI6 geht von einer dritten Partei aus, die sich irgendwo in Japan versteckt halten soll. Um den dritten Weltkrieg zu verhindern, wird Bond auf den Fall angesetzt.

 

Der Film besticht vor allem durch seine exotischen Kulissen in und um Japan, daneben gibt es eine Menge japanische Kultur zu bewundern: Das Angebot reicht von Ninjas über Papierwände bis hin zu Sumokämpfen. Das Flair des Films ist einzigartig und hält den Zuschauer über die Laufzeit gut bei Laune. Auch das Hauptquartier des Bösewichts weiß zu gefallen und ist wohl zum Vorbild für so viele Hauptquartiere böser Buben der letzten 40 Jahre geworden. Man erkennt in „Man lebt nur zweimal“ einfach so viel, dass unzählige Filme späterer Generationen kopiert haben; und endlich weiß man, wo all die Klischees herkommen.

Ansonsten gibt es solide Bond-Kost: Gute Action (mit einigen wirklich witzigen Einfällen), attraktive, aber austauschbare Bondgirls und eine lineare, vorhersehbare Story ohne Raffinessen. Die Spannung hält sich vornehm zurück; und dass sich die Welt am Rande eines Krieges befindet, scheint niemanden so wirklich zu stören. Somit hat der Film vor allem im letzten Drittel einige Durchhänger. Trotzdem, die Grundstimmung im schönen Japan entschädigt Größenteils und hält den Zuschauer, wie schon gesagt, permanent bei Laune.

Leider haben auch die guten Gags und Sprüche Bonds deutlich abgenommen, außer den Sticheleien zwischen ihm und Moneypenny ist davon kaum noch etwas übrig geblieben. Die restlichen Darsteller sind allenfalls guter Durchschnitt, die meisten Charaktere wirken sehr blass. Lustig fand ich dafür den Handlanger Blofelds: Ein blonder, großer, junger Kerl, der auf den Namen "Hans" hört. Leider hält er sich mit Auftritten sehr zurück und sein Abgang ist dann auch ziemlich armselig. Auch sonst scheinen sich einige Deutsche in Blofelds Reihen aufzuhalten - ist er vielleicht selbst Deutscher? Ich weiß es nicht, aber in den 60gern gaben die Deutschen auf jeden Fall noch ein gerne genommenes Feindbild ab. Der Charme der Sixties grüßt an allen Ecken und Kanten, was dem Film hier und da noch einen Pluspunkt einheimst. Ungereimtheiten und Logiklöcher gibt es dafür leider genauso, auch wenn sie diesmal verkraftbar sind.

 

Ich muss zugeben, meine Kritik hört sich bisher wohl eher nach einem kleinen Verriss an, aber insgesamt betrachtet bleibt mir nur zu sagen, dass mir der Film doch recht gut gefallen hat. Ich wurde eigentlich über fast die gesamte Laufzeit gut unterhalten, obwohl es vieles zu bemängeln gibt. Es bleibt dennoch festzuhalten, dass sich bei Bond Ende der 60er Jahre langsam aber sicher Abnutzungserscheinungen abzeichneten.

 

Sagen wir mal 3/5 Punkte für einen Bond, der hätte besser sein können, aber längst nicht den Tiefpunkt der Reihe markiert.