Black Hawk Down - Kritik vom 16.09.2009
Version: Kinofassung (138 Min.)
Für den 3. Oktober 1993 planten US-Militärs im Rahmen der UNO-Mission in Somalia einen brisanten Einsatz, der vorsah, hohe Offiziere des Warlords Aidid mitten in Mogadischu zu verhaften. Der Einsatz geriet zum Desaster. Keine 10 Jahre später widmen Produzent Jerry Bruckheimer und Regisseur Ridley Scott der Sache einen Film.
Der Film stellt gleich zu Beginn klar, dass sich die Handlung an einer wahren Begebenheit orientiert, eben jenem Einsatz. Schlichte Texte erzählen zu trostlosen Bildern der Auswirkungen des Krieges in Somalia die Vorgeschichte zum UNO-Einsatz. Die Bilder wirken kühl und leblos. Das Intro gibt die Atmosphäre des Films vor und stimmt den Zuschauer auf ein erschütterndes Erlebnis ein. Afrikanisch angehauchte, melancholische Musik tönt aus den Boxen. Der Soundtrack von „Black Hawk Down“, soviel sei an dieser Stelle schon mal gesagt, ist genial: Rockig, atmosphärisch, in den entscheidenden Momenten zurückhaltend. Die Actionszenen werden durch die teilweise schnellen, drumlastigen Klänge zur Hatz und verdeutlichen dem Zuschauer, was es für die Soldaten geheißen haben muss, in Mogadischu eingekesselt zu sein. Aber dazu später mehr.
Helikopter und Militärfahrzeuge der Amerikaner dringen am 03.10.1993 in die feindliche Zone von Mogadischu ein, um einige hohe Offiziere des Warlords Aidid zu verhaften. Sie stechen in ein Wespennest und locken tausende feindliche Soldaten auf die Straßen. Als ein amerikanischer Black Hawk abgeschossen wird, gerät die Mission zum Desaster. Die überlebenden Piloten müssen gerettet werden, doch die Kräfte in der Stadt reichen nicht aus, um den zahlenmäßig weit überlegenen Feind zu bezwingen.
Der Filmfreund weiß, wo Jerry Bruckheimer draufsteht, ist Action drin. Auch in „Black Hawk Down“ geht nach etwa 20 dialoglastigen Minuten die Post ab. Nachdem die ersten Schüsse gefallen sind, will es dann gar nicht mehr aufhören. Der Film zelebriert eine quasi nicht abreißen wollende Actionorgie, die sich mit Fortlaufen der Handlung immer weiter zuspitzt. Während die Soldaten anfangs nur sporadisch beschossen werden und noch alles unter Kontrolle zu haben scheinen, gerät der Einsatz immer mehr zur Hatz und zum Kampf ums Überleben. Der Soundtrack unterstreicht die Bilder wie schon gesagt treffend und gehört zweifelsohne zu den ganz großen Klängen aus Hollywood. Selten ist ein Filmsoundtrack so stimmig und intensiv wie in Black Hawk Down.
Die Action polarisiert und schockiert. Die zahlreichen, blutigen Momente machen das Filmerlebnis nur noch intensiver. Die Somalier schießen massenweise mit Raketenwerfern, dementsprechend explodiert und rumst es ständig auf dem Schirm. Der Sound ist dabei durchgehend auf hohem Niveau. Ridley Scott verzichtete fast vollständig auf CGI-Effekte und schuf die Action handgemacht vor der Kamera. Die wenigen Einstellungen, die aus dem PC kommen, fügen sich gut ein und fallen höchstens positiv auf.
Viele bekannte Gesichter füllen den Bildschirm, darunter namhafte Schauspieler wie Josh Hartnett (Pearl Harbor), Ewan McGregor (Star Wars: Episode I – III), Eric Bana (Troja), Orlando Bloom (Herr der Ringe Teil I – III) und Tom Sizemore (der Soldat James Ryan). William Fichtner und Sam Shepard dürften dem ein oder anderen ebenfalls ein Begriff sein. Die darstellerischen Leistungen gehen in der maßlosen Actionorgie ohne Zweifel unter, allerdings spielt auch keiner der Akteure so überragend, dass er herausstechen würde. Ewen Bremner (Judge Dredd) als tauber MG-Schütze übertreibt mit seiner Mimik, der ewige Soldaten-Darsteller Tom Sizemore spielt einmal mehr sich selbst. Orlando Bloom, in „Black Hawk Down“ nur in einer kleinen Nebenrolle zu sehen, zeigt nicht, was er eigentlich kann. Ewan McGregor, Josh Hartnett sowie Jason Isaacs als knallharter Ranger Steele, bei dem der Name Programm ist, überzeugen und stechen am deutlichsten hervor. Viele andere Darsteller gehen einfach in der Masse der Charaktere unter.
„Black Hawk Down“ ist nicht so patriotisch, wie man das von amerikanischen Kriegsfilmen gewohnt ist. Hier und da bekommt sogar der Feind ein Gesicht und darf seine Sichtweise der Ereignisse darlegen; auch wenn der Film unmissverständlich klar macht, dass die Amis recht haben. Vor dem Abspann legen stumme Texttafeln die Opferzahlen des Einsatzes dar und beschreiben kommentarlos die darauf folgende Politik der USA. An ein, zwei Stellen schimmert sogar ein wenig Kritik durch, etwa, als klar wird, dass sich die Amerikaner über deren Verbündete hinweggesetzt haben. Trotzdem kommt auch „Black Hawk Down“ nicht ganz ohne patriotischen Touch aus, allerdings auf einem gut ertragbaren Level. Der Film hebt vor allem die Kameradschaft unter den Soldaten hervor. Wegen ihrer Kameraden ziehen die Männer in den Krieg, nicht wegen der Politik oder irgendwelcher Werte. Ich als Soldat kann dem nur zustimmen.
Somit mausert sich „Black Hawk Down“ zu einem wirklich guten Antikriegsfilm, nicht nur für Actionfreunde! 5/5 RPGs!
