96 Hours - Kritik vom 20.09.2009

 

Action-Spezialist und Erfolgsproduzent Luc Besson präsentiert uns mit „96 Hours“ einen Action-Thriller der Superlative...aber heißt der Film nicht „Taken“? „96 Hours: Taken“ oder einfach nur „96 Hours“? Egal! Warum man dem Film für Deutschland einen anderen, trotzdem englischen Titel verpasst hat, ist zwar komisch und sorgt hie und da für Verwirrung, im Großen und Ganzen ist es aber völlig latte. Zum allgemeinen Verständnis: Ich nenne den Streifen hier „96 Hours“.

 

Wo Luc Besson draufsteht, sind im Normalfall zwei Dinge drin: Action und Qualität. Luc Besson, ob nun als Regisseur, Drehbuchautor oder Produzent bereicherte die Kinolandschaft bereits mit Werken wie Leon- Der Profi, Das fünfte Element, Transporter oder Kiss oft he Dragon. Mit „96 Hours“ landete er erneut einen Riesenerfolg, sowohl finanziell als auch in den Herzen der Actionfreunde.

Hätte man vor eineinhalb Jahren behauptet, Liam „Qui Gon Jin“ Neeson würde in einem ultraschnellen Action-Thriller die Hauptrolle übernehmen, hätte das kaum jemand ernst genommen. Mit „96 Hours“ beweist Neeson einwandfrei, dass er nicht nur wirklich jede Rolle spielen kann, sondern für sein Alter auch noch verdammt agil ist. Der Mann ist immerhin Baujahr 1952, aber im Gegensatz zu Hollywoods "Botox-Bombe jenseits der 60 Jahre Stallone" muss Neeson kein aufgeblasener Klumpen Muskelmasse sein, um als Actionheld zu überzeugen.

Neeson spielt den Ruheständler und Ex-Agenten Bryan Mills, dessen Tochter (Maggie Grace) in Paris von albanischen Menschenhändlern entführt wird. Bryan stellt fortan unter Beweis, dass er seinen früheren Beruf noch nicht verlernt hat und räumt im Alleingang in Paris auf.

„96 Hours“ lässt sich meiner Meinung nach am aller besten mit den Bourne-Filmen vergleichen. Genau wie Jason Bourne ist Bryan ein Einzelgänger; jemand, der sich ganz alleine einer verbrecherischen Organisation gegenübersieht. Genau wie Jason Bourne ist auch Bryan stets überlegen, egal ob im Faustkampf oder im Vorrausdenken. Bryan scheint mit allen Wassern gewaschen, er kennt jeden Trick. Er weiß, wie er was wie bekommt und wie er mit einfachsten Mitteln sein Ziel erreichen kann. Außerdem ist Bryan Spezialist für Nahkämpfe. Die Kämpfe in „96 Hours“ sind hart und schnell, Bryan scheint in jedem einzelnen Augenblick alles unter Kontrolle zu haben. Kompromiss- und gnadenlos räumt er in den Reihen seiner Feinde auf. Die Action presst dem Zuschauer die Luft aus den Lungen. In perfekter Inszenierung entledigt sich Bryan seiner Feinde, schaltet mit wenigen Griffen einem nach dem anderen blitzschnell aus. Dabei nimmt man Liam Neeson auch auf der schaupielerischen Ebene seine Rolle ab. Zu Beginn erhält der Zuschauer einen kurzen Einblick in dessen einsames Leben. Er lebt getrennt von seiner Frau, hatte seine Ehe seinem Job geopfert. Bryan ist ein gebrochener Mann, der sich nichts sehnlicher wünscht als etwas mehr Kontakt zu seiner Tochter. Solche Momente sind es, die beweisen, dass Neeson einer der ganz großen Schauspieler ist. Neben ihm verblasst die Masse der anderen Darsteller, ohne deren Leistung schlecht reden zu wollen. Der gesamte Cast passt wunderbar, Liam Neeson steht eben einfach eine Stufe über seinen Schauspielkollegen.

 

Höchstens die etwas fragwürdige Moral des Films, das kitschige Ende sowie die doch übertriebene Actionszene auf dem Boot, wo der Film eindeutig mit Bryans Methodik des schnellen Ausschaltens von Gegnern bricht und fasst zu einer Dauerschießerei- und Prügelei ausartet, stoßen ganz leicht negativ auf. Immerhin liefert „96 Hours“ eine perfekte Anleitung, wie man mit Hunderternägeln und einem Lichtschalter Informationen aus düsteren Gestalten herauspresst. Auch sonst verübt Bryan Selbstjustiz am laufenden Band. Wer seiner Meinung nach kein Recht auf ein weiteres Leben mehr hat, wird einfach liquidiert, ganz gleich, ob er längst kampfunfähig ist. Da wundert es mich nur, dass er am Ende wie selbstverständlich in die USA zurückreißen kann. Normalerweise müsste er die gesamte französische Polizei am Hals haben, wenn man bedenkt, was er sich in Paris alles erlaubt hat. Das Ende ist allgemein sehr kitschig geraten und will so gar nicht in den Rest des Films passen. Ich sage nur „Popstar-Ikone“.

Trotz alle dem, Luc Besson und Regisseur Pierre Morel (Ghettogangz) liefern mit „96 Hours“ eine Action-Granate der Superlative ab. Außerdem beweist der Film, dass man auch im neuen Jahrtausend noch gute Actionfilme ohne hyperschnell geschnittene Wackelkameraszenen machen kann! 4/5 Verhinderer für einen genialen Actionstreifen!

 

 

 

 

 

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